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Nach Anschlag in Frankreich : Wie sicher sind deutsche Kirchen?

  • Aktualisiert am

Blick auf den Kölner Dom Bild: dpa

Die Attentäter konnten einfach in die Kirche in der Normandie stürmen: Auch in Deutschland stellt sich die Frage nach der Sicherheit von Gotteshäusern. Die Bistümer und Landeskirchen ringen um eine Antwort – dabei haben sie wenig Möglichkeiten.

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          Keiner hat die zwei Männer aufgehalten, die am Dienstagmorgen in eine Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray gestürmt sind. Fünf Gläubige saßen gemeinsam beim Gottesdienst und beteten. Die Männer trugen Hieb- und Stichwaffen bei sich. Einem Pfarrer schnitten sie die Kehle durch, eine Ordensschwester verletzten sie lebensbedrohlich. Der Schock saß tief. Verfolgt man die Reden französischer Politiker, schwingt neben Entsetzen und Trauer häufig eine Folgerung mit: Man hätte es nur sehr schwer verhindern können.

          Auch in Deutschland denken Kirchenvertreter über die Frage, wie groß die Bedrohung für Gotteshäuser ist. Wie wappnen sich die deutschen Kirchen?

          24.500 katholische Kirchengebäude in Deutschland

          Die Deutsche Bischofskonferenz will auch nach der Bluttat am Konzept der offenen Kirchen festhalten. „Unsere Kirchen müssen offene Orte sein, das wird gerade in den letzten Tagen deutlich“, sagt Sprecher Matthias Kopp. Es sei nicht möglich, 24.500 katholische Kirchengebäude in Deutschland zu schützen. Gefordert sei daher erhöhte Wachsamkeit im Alltag. Die Kirchen nähmen die Ängste der Menschen ernst, so Kopp weiter: „Gleichzeitig werben wir dafür, uns nicht einschüchtern zu lassen.“

          Die Sicherheitslage hat sich nicht verändert, sagt der Sprecher der Landeskirche Hannover, Benjamin Simon-Hinkelmann, gegenüber FAZ.NET. Es sei klar, „dass es einen absoluten Schutz nicht geben kann.“ Bei großen Gottesdiensten will die Landeskirche Hannover auch weiterhin mit mit Sicherheitsbehörden und Polizei zusammenarbeiten. Unter Berücksichtigung der Taten soll eine Evaluierung der Sicherheitskonzepte stattfinden. Die Kirchen sollen weiterhin offen sein. „Jetzt an den Öffnungszeiten etwas zu verändern, wäre ein falsches Signal“, sagt Benjamin Simon-Hinkelmann von der Landeskirche Hannover.

          Sicherheitsstrategie nicht öffentlich machen

          Die Kölner Domprobstei überprüft gemeinsam mit der Polizei das Sicherheitskonzept. „Die Gefährdungslage hat sich für uns nicht verändert“, sagt Domdechant Robert Kleine FAZ.NET.

          Ein Sprecher der Polizei verweist auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur auf das im Januar eingeführte Präsenzkonzept rund um den Hauptbahnhof und den Dom, das Straftaten verhindern soll. Demnach werden dort werktags 40 Beamte und freitags, vor Feiertagen und an Wochenenden eine Hundertschaft mit 120 Polizisten eingesetzt. Spätestens durch die Silvesternacht ist deutlich geworden, wie stark der Dom Kräften von außen ausgesetzt ist. Damals wurden Raketen dagegen gefeuert. Gegen den Mord eines Priesters eine Banalität.

          Viele andere Bistümer wollen sich zur Sicherheitslage nicht äußern. „Keiner möchte die Aufmerksamkeit auf sich ziehen", sagt ein Kirchenvertreter. Sicherheitskonzepte gibt es für alle Gotteshäuser mit Symbolcharakter. In Köln etwa will man dieses nicht öffentlich machen. „Sobald wir unsere Strategie zur Sicherung des Doms öffentlich machen, verliert sie einen Nutzen", sagt Kleine. Aus anderen Bistümern ist zu hören, dass durchgehender Polizeischutz wenig Sinn ergebe.

          Durch die Tat in Frankreich ist vor allem deutlich geworden, dass es jede Kirche treffen kann. Wie symbolträchtig ein Ort ist, spielt keine Rolle. Rund 45.000 evangelische und katholische Kirchen gibt es dort. Das Risiko auf einen Anschlag lässt sich nicht ausschließen.

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