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Nach Anschlag in Afghanistan : Guttenberg und Merkel bei Trauerfeier für getötete Soldaten

  • Aktualisiert am

Ein Kranz von Verteidigungsminister Guttenberg Bild: dpa

In der Kleinstadt Regen haben mehrere hundert Angehörige, Freunde und Kameraden Abschied von den drei am vergangenen Freitag in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten genommen. Unter den Trauergästen waren auch Kanzlerin Merkel und Verteidigungsminister Guttenberg.

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          In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg haben mehrere hundert Angehörige, Freunde und Kameraden den drei in Nordafghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten die letzte Ehre erwiesen. Die 21, 22 und 30 Jahre alten Panzergrenadiere waren vor einer Woche in einem Vorposten von einem afghanischen Soldaten erschossen worden. Er sollte das Lager eigentlich schützen.

          Die Trauerfeier fand am Freitag in der Pfarrkirche der niederbayerischen Kleinstadt Regen statt, dem Heimatstandort der drei Gefallenen. Unter den mehr als 600 Teilnehmern waren auch die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, Horst Seehofer (CSU) und Stefan Mappus (CDU), sowie Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker. Auf dem Stadtplatz von Regen verfolgten mehrere hundert weitere Menschen die Zeremonie.

          Der evangelische Militärdekan Alfred Gronbach sprach zum Auftakt von „lähmender Traurigkeit“. Der katholische Militärdekan Reinhold Bartmann nannte den Angriff einen „bewussten Mordanschlag“, der auch Zweifel an dem Einsatz hervorrufe. „Diese Fragen rühren uns nicht nur an, sondern sie rühren viele auch auf.“

          Die Kameraden nehmen in Regen in der Stadtpfarrkirche St. Michael Abschied

          Auch Guttenberg ergriff während der Trauerfeier das Wort. „Die Soldaten wurden aus einem Leben voller Hoffnungen gerissen, plötzlich und unwiederbringlich“, sagte er. „Wir alle verneigen uns vor ihnen in Dankbarkeit und in Anerkennung. Sie waren in Afghanistan, im Krieg, um dort den Frieden zu sichern, den Aufbau voranzubringen und zu helfen.“ Man dürfe dem Attentäter „nicht nachträglich zum grauenvollen Triumph“ verhelfen. „Wer im Einsatz in Afghanistan bestehen will, der muss Vertrauen haben, ... auch Vertrauen in die verbündeten Streitkräfte.“ Der Minister sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. „Bei allem Entsetzen: Seien sie fest von uns allen einfach umarmt.“

          Seit 2001 kamen 48 deutsche Soldaten in Afghanistan um

          Es war die erste Trauerfeier in Deutschland für in Afghanistan gefallene Soldaten in diesem Jahr. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001 kamen 48 deutsche Soldaten ums Leben. 30 davon starben im Gefecht oder bei Anschlägen. Die Bundeswehr ist im Rahmen des internationalen Einsatzes für den Norden des Landes zuständig. Ende dieses Jahres soll mit ihrem Abzug begonnen werden. Der Anschlag in der Provinz Baghlan am vergangenen Freitag war der schlimmste Angriff auf deutsche Einheiten am Hindukusch seit fast einem Jahr. Der Angreifer hatte das Feuer eröffnet und den 21 Jahre alten Hauptgefreiten, den 22 Jahre alten Stabsgefreiten und einen 30 Jahre alten Hauptfeldwebel vom Panzergrenadierbataillon 112 in Regen getötet. Sechs weitere deutsche Soldaten wurden verletzt.

          Guttenberg warnte vor der Trauerfeier vor pauschalem Misstrauen gegenüber der afghanischen Armee. Das wäre „der gänzlich falsche Schritt“, sagte er am Donnerstagabend im Bundestag. „Es entspricht unserer Verantwortung, dass wir an unserer Strategie des Aufbaus der afghanischen Sicherheitskräfte und der engen Kooperation mit ihnen auch festhalten.“ Der Minister betonte, wie wichtig die öffentliche Anteilnahme an dem Einsatz in Afghanistan für die Soldaten ist. „Ohne diesen Rückhalt könnten die Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst auch gar nicht in dieser Form, in dieser Weise leisten.“

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