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Nach Angriff auf Bürgerbüro : Solidarität mit Karamba Diaby

Karamba Diaby mit Angela Merkel am Donnerstag im Bundestag. Bild: EPA

Nach der Attacke auf das Bürgerbüro des Hallenser SPD-Abgeordneten versichern viele Karamba Diaby ihre Solidarität. Unterdessen sichert die Polizei abermals Spuren.

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          Am Rande der Debatte über die Organspende im Bundestag ging sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf den Abgeordneten Karamba Diaby zu, um ihm ihre Loyalität zu versichern. Merkel war bei weitem nicht die einzige Politikern, die sich am Donnerstag demonstrativ an die Seite des Sozialdemokraten stellte, nachdem tags zuvor dessen Bürgerbüro in Halle an der Saale vermutlich mit einer Schusswaffe angegriffen worden war. Diaby gehört zu den wenigen dunkelhäutigen Berufspolitikern in Deutschland und war 2013 gemeinsam mit dem CDU-Politiker Charles M. Huber der erste Bundestagsabgeordnete mit afrikanischen Wurzeln. Anders als Huber ist Diaby auch selbst in Afrika geboren. Diaby kam 1961 im Senegal zur Welt. Er verließ das Land in den achtziger Jahren, um in der damaligen DDR zu studieren. Später wurde Diaby in Chemie und Geoökologie promoviert und gründete mit einer Agrarwissenschaftlerin aus Sachsen eine Familie in Halle.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Diaby berichtet am Donnerstagnachmittag, er habe inzwischen „Tausende von Nachrichten“ des Rückhalts und der Ermutigung erhalten. Aus diesen Reaktionen schließe er, dass eine große Mehrheit für eine offene Gesellschaft eintrete. „Wir leben nicht in einem Zeitalter des Zorns“, sagte Diaby. Alle seien aber aufgerufen, aktiv die Demokratie zu verteidigen.

          Einige Stunden zuvor hatten im sachsen-anhaltischen Halle noch einmal Beamte der Polizei das große Schaufenster von Diabys Wahlkreisbüro auf Spuren untersucht. Es liegt in der Kleinen Ulrichstraße, einer beliebten Ausgehstraße der traditionsreichen Universitätsstadt mit etlichen Kneipen. Fünf Einschusslöcher haben die Mitarbeiter Diabys in der Scheibe gezählt, nachdem sie am Mittwochmorgen zur Arbeit kamen. Der Angriff, bei dem niemand verletzt wurde, hatte vermutlich kurz zuvor stattgefunden. Nicht nur an Diabys Büro, auch an anderen Gebäuden gibt es Beschädigungen.

          Welche Waffe der oder die Täter benutzten, ist Gegenstand der Ermittlungen. Ein Sprecher der Polizeiinspektion Halle erklärt, die mehrfach verglaste Scheibe sei nicht gänzlich durchschlagen worden. „Die Tatmittel sind uns bislang noch unbekannt.“ Mehrere Möglichkeiten kämen in Frage. „Schlagwerkzeug, Zwille, Druckluftwaffe“. Der Polizeisprecher nennt noch weitere Varianten. Da ein „politischer Hintergrund nicht auszuschließen ist“, ermittelt der Staatsschutz.

          Das Bürgerbüro von Diaby war bereits im Jahr 2015 – in dieser Zeit befand es sich noch in einer anderen Straße – angegriffen worden. Damals wurde die Schaufensterscheibe mit einem Stein eingeworfen. Weitere gewaltsame Attacken habe es nicht gegeben, erzählen Diabys Mitarbeiter. Hassmails, anonyme Schreiben und Telefonterror kämen indes „sehr regelmäßig“ vor. Diaby, der seit 2013 im Bundestag sitzt, legt ebenso wie seine Mitarbeiter großen Wert auf die Feststellung, dass man sich von Drohungen und Attacken nicht einschüchtern lassen werde. Denn wenn man sich den Tätern beuge, hätte diese gewonnen.

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