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Nach Amokfahrt in Münster : Die Stadt steht den Opfern bei

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Zuletzt soll R. in seiner Wohnung in Münster zurückgezogen gelebt haben. Allerdings soll er mit Nachbarn, die ihn als schwierigen Charakter beschreiben, immer wieder Streit gesucht haben. Dadurch war R. auch polizeibekannt. Gegen ihn wurde in der Vergangenheit wegen Sachbeschädigung und Bedrohung ermittelt. Als Extremist war Jens R. den Behörden allerdings nicht aufgefallen. Doch nach der Tat sind die Sicherheitsbehörden nicht nur in Nordrhein-Westfalen damit beschäftigt, R. und sein soziales Umfeld zu durchleuchten. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Münster stießen Spezialisten des Landeskriminalamts auf eine allerdings unbrauchbar gemachte Maschinenpistole des Typs AK 47, eine sogenannte Dekowaffe, und – wie zuvor im Tatfahrzeug auch – auf sogenannte Polenböller. Neben der Waffe, mit der sich R. selbst erschoss, fanden die Kriminalisten zudem eine Schreckschusspistole.

Merkwürdig ist auch, dass R. noch zwei weitere Meldeadressen in Ostdeutschland hatte. Unter anderem war der Täter in einem Haus im sächsischen Pirna gemeldet, in dem ein behördenbekannter Rechtsextremist wohnt. Bis zum Sonntagnachmittag fanden die Ermittler allerdings keine Hinweise darauf, dass R. Teil eines rechtsextremen Netzes war oder seine Tat vom Samstag rechtsextrem motiviert sein könnte. Gleichwohl sei man durch die Erfahrungen mit der lange im Verborgenen agierenden Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ gewarnt und werde auch jeden noch so kleinen Ansatzpunkt akribisch ausermitteln, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Es wird in alle Richtungen ermittelt

Seehofer, Laschet, Reul und Oberbürgermeister Lewe entfernen sich am Sonntagmittag einige Meter vom Tatort, bevor sie sich äußern. Es soll ein Zeichen des Respekts vor den Opfern sein. „Auch wenn es im Moment starke Hinweise dafür gibt, dass es sich um einen Einzeltäter handelt, dass es keinen Bezug zur Terrorszene gibt, teile ich die Meinung, die wir gerade im Polizeipräsidium gehört haben“, sagt Innenminister Seehofer. „Das ganze Umfeld muss weiter aufgeklärt werden, um alle Eventualitäten auszuschließen, es wird also in alle Richtungen ermittelt.“ Ausdrücklich dankt Seehofer den deutschen Medien, die sich alle sehr verantwortungsvoll verhalten hätten. Ministerpräsident Laschet dankt allen, die am Samstag in Münster so rasch zur Stelle waren. Rettungskräfte und Polizei hätten zügig und besonnen reagiert, 300 Münsteraner seien spontan zum Blutspenden zur Universitätsklinik gefahren. „Ich würde mir wünschen, dass diese Besonnenheit der Menschen, diese besondere Erfahrung der Friedensstadt Münster auch alle die erreicht hätte, die am Samstag ganz schnell bei Twitter und anderswo das Hetzen begonnen haben.“ Für die Opfer sei es egal, welcher Religion ein Täter angehöre.

An diesem Montag werde die nordrhein-westfälische Opferschutzbeauftragte nach Münster kommen, kündigt Laschet an. Sein schwarz-gelbes Kabinett hat erst vor wenigen Monaten die frühere Generalstaatsanwältin Elisabeth Auchter-Mainz zur ersten Opferschutzbeauftragten des Landes ernannt. „Sie wird jedem einzelnen Betroffenen zur Verfügung stehen bei allen Fragen, die jetzt zu klären sind.“

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