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Nach Absturz in Spanien : Überstunden für die Transall

Einsatz wird verlängert: Die A400M-Flugzeuge sollen die kleineren und älteren Transall-Maschinen (hier bei der Evakuierung deutscher Bürger 2011 in Libyen) ersetzen. Bild: dpa

Der Absturz des neuen Militärtransporters A400M in Spanien ist ein Rückschlag für die europäische Rüstungsindustrie. Auch auf die Bundeswehr kommen nun Probleme zu. Wie reagiert sie darauf?

          Der Absturz des neuen Militärtransporters A400M in der Nähe seiner Produktionsstätte im spanischen Sevilla kann schwere Folgen für die Mobilität der Bundeswehr und die drei anderen großen europäischen Armeen haben, die auf das Flugzeug gesetzt haben, das neben Soldaten auch schweres Gerät bis zur Größe eines Schützenpanzers verlegen kann. Sollte es sich bei der Absturzursache um einen Systemfehler handeln, der alle rund 20 schon ausgelieferten Flugzeuge der A400M-Flotte betrifft, wären voraussichtlich zeitintensive Überprüfungen, Umplanungen und Umrüstungen notwendig.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die deutsche Luftwaffe wollte am Montag Meldungen nicht kommentieren, wonach der Absturz des Flugzeugs, das kurz vor seiner Auslieferung an die Türkei stand, am Samstag durch das Versagen mehrerer Triebwerke verursacht worden sei. Die Luftwaffe hält ihren einzigen bisher ausgelieferten Airbus A400M am Boden, bis die Unglücksursache geklärt ist.

          Das Verteidigungsministerium teilte mit, das deutsche Exemplar habe bisher 57 Flugstunden absolviert, ohne dass Schwierigkeiten aufgetreten seien, die die Flugtauglichkeit beeinträchtigt hätten. Unter anderem flog der deutsche A400M im April mit mobilen Wasseraufbereitungs-Anlagen im Rahmen des Ebola-Hilfseinsatzes vor vier Wochen nach Dakar in Senegal. Der Kommandant des Flugzeugs sagte anschließend nach Angaben der Bundeswehr, um die gleiche Fracht im Gewicht von 41 Tonnen mit der alten Transall transportieren zu können, wären zwei bis drei Flugzeuge jenes Typs notwendig gewesen; die Reise, welche der A400M ohne Zwischenlandung erledigte, hätte mit der Transall zwei bis drei Tage gedauert.

          Die Unterschiede zeigen, auf welche Erweiterung ihrer Lufttransportkapazität die Luftwaffe jetzt möglicherweise länger warten muss, wenn sich nach dem Unglück von Sevilla die Auslieferung der neuen Flugzeuge nochmals stark verzögert. Ohnehin hat die Bundeswehr viele ihrer Transall schon länger im Dienst gehalten als geplant. Sie verfügt gegenwärtig noch über knapp 60 Flugzeuge dieses Typs, die nach und nach durch 40 neue A400M ersetzt werden sollten. Insgesamt hat Deutschland sich zur Abnahme von 53 A400M verpflichtet, für 13 Flugzeuge sollen andere Abnehmer gefunden werden.

          Konsequenzen für das Personal

          Die Transall-Transporter der Luftwaffe sind vor allem während des Afghanistan-Einsatzes stark beansprucht worden: Sie flogen am Hindukusch fast 14.000 Einsätze. Durch das Ende der Isaf-Mission und der Unterstützungsmission ist die Einsatzbelastung zwar gesunken, doch kommen neue Herausforderungen auf die Luftwaffe durch die geänderte Strategie der Nato zu, die jetzt eine schnelle Verlegung von Nato-Truppen in die östlichen Mitgliedsländer zum Inhalt hat. An der neuen „Speerspitze“ der schnellen Reaktionskräfte werden im laufenden Jahr und in künftigen Jahren immer wieder auch deutsche Heeresverbände in Bataillonsstärke beteiligt sein – sie wären mit dem A400M weitaus beweglicher.

          Der damalige spanische König Juan Carlos bei einer Vorstellung des Airbus A400M im Juni 2008.

          Welche Vorsorge die Luftwaffe trifft, falls die fünf weiteren Exemplare des A400M nicht eintreffen, die Airbus im laufenden Jahr nach ursprünglichen Zusagen an Deutschland ausliefern wollte, darüber geben Bundeswehrsprecher vorerst noch keine Auskunft. Schon im Januar hat die Luftwaffe jedoch nach ersten Verzögerungsmeldungen Prüfungen eingeleitet, welche Flugzeuge der Transall-Flotte am ehesten geeignet wären, weitere „Flugüberstunden“ zu machen.

          Schwerwiegender werden die Konsequenzen für das Personal, Piloten wie Techniker. Die neuen Piloten, die jetzt schon planmäßig auf dem A400M geschult werden, sind für die Bundeswehr nutzlos, falls sie nicht noch alte Transall-Lizenzen besitzen. Jüngere Offiziere, die für das neue Flugzeug ausgebildet werden sollen, müssten auf anderen Dienstposten geparkt werden. Gleichzeitig müssen ältere Zeitsoldaten, die jetzt auf der Transall fliegen, länger im Dienst gehalten werden. Neben der Kosten könnte der Absturz also auch zu Personalknappheit in der Bundeswehr führen.

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