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Mutmaßlicher Wehrhahn-Bomber : „Mit Sprengstoff die Kanaken weggesprengt“

  • -Aktualisiert am
Bei dem Anschlag in Düsseldorf wurden zehn Menschen zum Teil schwer verletzt

Mehrere Zeugen gaben an, die beiden Neonazis im Gespräch mit Ralf S. gesehen zu haben. 2014 gelang es den Beamten der neu formierten Ermittlungskommission „Furche“, weitere Zeugen zum Reden zu bringen. S., aus seiner Militärzeit gut mit dem Einsatz und der Tarnung von Sprengfallen vertraut, soll die Tat mehrfach angekündigt haben. Er habe davon gesprochen, man müsse „mal am Bahnhof was Richtiges machen“ und „diese dreckigen Kanaken in die Luft sprengen.“ Im Nachhinein soll er seine Tat verharmlost haben. Was er getan habe, sei kein Mord, sondern „nur eine Abtreibung“ gewesen. Damit spielt S. aus Sicht der Ermittler darauf an, dass beim Wehrhahn-Anschlag zwar keiner der Sprachschüler zu Tode kam, eine junge Frau aber ihr ungeborenes Kind verlor, weil ein Splitter in ihren Unterleib eindrang.

Bei anderer Gelegenheit habe der Tatverdächtige von der „Wehrhahnsache“ als dem vierten „Glücksfall“ in seinem Leben gesprochen – neben der Geburt seiner drei Kinder. Bei einem Telefonat, das die Polizei aufzeichnete, zitierte er aus dem Schlussplädoyer von Nazi-Märtyrer Rudolf Heß bei den Nürnberger Prozessen: „Stünde ich wieder am Anfang, würde ich wieder so handeln, wie ich handelte.“ Eine Zeugin will sogar einen Sprengsatz bei Ralf S. gesehen haben.

Eine konspirative Wohnung

Eine Anleitung zum Bau eines elektrischen Fernzünders sowie den Splint einer Handgranate hatten die Beamten bereits kurz nach der Tat in der Zweitwohnung des früheren Bundeswehrsoldaten gefunden. Heute vermuten die Ermittler, Ralf S. habe diese Wohnung nur zu dem Zweck angemietet, sein Attentat vorzubereiten. So meldete er sie nie den Behörden, den Telefonanschluss beauftragte er im Namen eines Bekannten, sein eigener Name fehlte auch auf dem Klingelschild und dem Briefkasten. Eine Nachbarin gab an, sie habe gehört, dass in den Räumen gehämmert und gesägt worden sei.

Schon zwei Tage nach dem Anschlag am Wehrhahn bekundete S. gegenüber seiner Freundin, er werde die Wohnung, die er erst vor sieben Monaten angemietet hatte, wieder aufgeben. Sie hatte ihren Zweck erfüllt, schlussfolgern die Ermittler.

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Die Strafverfolger konnten den Verdächtigen überdies in Widersprüche zu seinem Aufenthaltsort während der Tat verwickeln. So antwortete S. auf die Frage, wie sein Hund auf die Detonation reagiert habe: „Weiß ich nicht, der war doch zuhause.“ Die Antwort legt nahe, dass er selbst sich eben nicht, wie behauptet, ebenfalls in seiner Wohnung befand. Noch schwerer wiegt, dass sich auf dem Computer des Angeklagten Fotos nicht nur vom Tatort, sondern auch von einem nahegelegenen Stromkasten fanden, von wo aus der Täter vermutlich die Bombe zündete. Eine Anwohnerin hatte unmittelbar nach der Explosion einen Mann mittleren Alters von diesem Stromkasten klettern sehen. Aufgefallen war ihr der Vorfall auch, weil der Mann sich anschließend ohne Eile vom Ort des Anschlags entfernte – während zu diesem Zeitpunkt Menschen, die von der Druckwelle zu Boden gerissen waren, noch auf dem Asphalt lagen.

Markante Kleidungsstücke wie eine weinrote Baseballkappe, die die verdächtige Person laut Zeugenaussage getragen haben soll, fanden sich auch bei Ralf S. Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück spricht angesichts der Vielzahl von Hinweisen von einer „erdrückenden Beweislast“. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt Ralf S. die volle Schuldfähigkeit. Dafür spreche, dass er seine Tat über Monate geplant und vorbereitet habe. Der Angeklagte bestreitet die Tat indes vehement. Gegenüber der Polizei hatte er zu Protokoll gegeben, er habe zwar ein „gesundes Nationalbewusstsein“, aber nichts gegen Ausländer.

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