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Mutmaßlicher Täter von München : Was wir über den Schützen wissen

  • Aktualisiert am

An diesem Schnellrestaurant am Olympiapark begann der grausame Abend von München, als der mutmaßliche Täter nach dem Verlassen des Lokals plötzlich wahllos das Feuer auf Passanten eröffnete. Bild: dpa

Im Zimmer des Achtzehnjährigen hat die Polizei ein Buch mit dem Titel „Amok im Kopf – warum Schüler töten“ gefunden. Was wissen wir noch über den Mann, der neun Menschen erschossen haben soll?

          Was wissen wir bis jetzt über den Mann, der neun Menschen getötet, zahlreiche verletzt und die bayerische Landeshauptstadt in den Ausnahmezustand versetzt hat? Ein Überblick.

          - Der mutmaßliche Schütze ist ein 18 Jahre alter Deutsch-Iraner. Nach Polizeiangaben ist er in München geboren und aufgewachsen, seine Eltern sollen in den 90er Jahren in die Bundesrepublik gekommen sein. Er besaß sowohl einen deutschen als auch einen iranischen Pass. Sein Vater soll Taxifahrer sein.

          - Der Mann war der Polizei bislang nicht bekannt; als Motiv geht sie derzeit von einem Amoklauf ohne politischen Hintergrund aus. In seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung wurde bei einer Untersuchung nichts gefunden, das auf einen Bezug zum IS hindeuten würde, sagte Hubertus Andrä, Polizeipräsident von München auf einer Pressekonferenz am Samstagmittag.

          - Allerdings habe die Polizei Unterlagen gefunden, die auf einen Amoklauf hindeuten, unter anderem ein Buch mit dem Titel „Amok im Kopf – warum Schüler töten“. Zuvor hatte die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfahren, dass der Attentäter sich viel mit Computer-„Ballerspielen“ beschäftigt und den Attentäter des Amoklaufs von Winnenden verherrlicht haben soll. 2009 hatte ein Siebzehnjähriger an seiner früheren Realschule in Winnenden und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst getötet.

          - Aus den Sicherheitskreisen hieß es weiter, der junge Mann soll Probleme in der Schule gehabt haben. Er habe außerdem eine depressive Erkrankung, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Samstagmittag.

          - Der Schütze handelte nach den Erkenntnissen der Polizei alleine. Es sei nicht davon auszugehen, dass es weitere Täter gegeben habe, sagte Polizeipräsident Andrä.

          - Laut der englischen Zeitung „The Mirror“ hat der Täter über Facebook versucht, Personen in den McDonalds im Einkaufszentrum zu locken. Auch die Polizei erklärte auf ihrer Pressekonferenz am Samstagmittag, es seien über ein Facebook-Profil Leute zu McDonalds eingeladen worden, genaueres ist aber noch nicht bekannt. „The Mirror“ und CNN berichten, Zeugen hätten gehört, wie er „Allahu Akbar“ und „Ich bin deutsch, Scheiß-Ausländer“ gerufen haben soll.

          - Der mutmaßliche Schütze hat sich nach der Tat offenbar selbst erschossen; seine Leiche wurde gegen 20.30 Uhr einen Kilometer von dem Einkaufszentrum entfernt gefunden.

          - Ersten Ermittlungen zufolge schoss der Täter mit einer Pistole. Die Polizei geht davon aus, dass er die Tat alleine beging. Nach einem Bericht des britischen „Mirror“ könnte er zunächst auf der Toilette des Schnellrestaurants seine Waffe geladen haben, bevor er dann auf die Restaurantgäste losgegangen sei. Das bestätigt laut „CNN“ auch eine Augenzeugin.

          - Schon kurz nach Beginn des Angriffs hatte eine Zivilstreife der Polizei Kontakt mit dem Täter und schoss dabei auch auf ihn, wie Polizeipräsident Andrä erklärte. Allerdings konnte der Angreifer in Richtung Einkaufszentrum gelangen und dort weitere Menschen töten, bevor er wieder aufgespürt werden konnte.

          - In den frühen Morgenstunden stürmte ein Sonderkommando der Polizei das mutmaßliche Wohnhaus des Angreifers. Nähere Erkenntnisse aus den Untersuchungen sind noch nicht bekannt.

          „Musste mir eine Waffe kaufen, um Euch alle abzuknallen“

          - Noch am Freitagabend wurde ein Handyvideo eines Passanten bekannt, der vom Dach eines Parkhauses aus Kontakt mit einem Mann mit Schusswaffe hat, der auf dem Dach eines gegenüberliegenden, niedrigeren Parkdecks steht. Er versucht ihn von weiteren Schüssen abzubringen, beschimpft den Mann als „Scheiß Kanaken“. Dieser antwortet: „Ich bin Deutscher, ich bin hier geboren worden. Ich war in Behandlung.“ Und: „Wegen euch bin ich gemobbt worden sieben Jahre lang. Und jetzt musste ich mir eine Waffe kaufen, um euch alle abzuknallen." Der Münchner Polizeipräsident Andrä sagte am frühen Samstagmorgen, bei dem Mann auf dem Parkdeck handele es sich nach derzeitigem Erkenntnisstand um den Täter.

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