https://www.faz.net/-gpf-9rcie

Mutmaßlicher Lübcke-Mörder : Stephan E. wird auch Mordversuch an Iraker vorgeworfen

  • Aktualisiert am

Das Haus des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke kurz nach der Tat im Juni 2019 Bild: dpa

Die Bundesanwaltschaft hat ein weiteres Verfahren gegen den mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten eröffnet. Es gebe Anhaltspunkte, dass Stephan E. im Januar 2016 versucht hat, einen irakischen Asylbewerber zu töten.

          1 Min.

          Gegen den Tatverdächtigen im Fall der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, Stephan E., wird auch wegen des Anfangsverdachts eines versuchten Mordes an einem Iraker ermittelt. Es gebe „Anhaltspunkte, dass der Beschuldigte am 6. Januar 2016 in Lohfelden versucht hat, einen irakischen Asylbewerber heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen zu töten“, teilte die Bundesanwaltschaft, die den Fall von den Kasseler Justizbehörden an sich zog, am Donnerstag in Karlsruhe mit.

          Demnach soll sich E. „dem Opfer unbemerkt von hinten genähert und ihm dann unvermittelt mit einem Messer in den oberen Rücken gestochen haben“. Der Iraker sei dabei schwer verletzt worden. Ausschlaggebend für die Tat soll demnach die „rechtsextremistische Weltanschauung“ des Beschuldigten gewesen sein.

          Nach Überzeugung des Bundesgerichtshofs soll Stephan E. bei der mutmaßlichen Ermordung Lübckes stärkere Unterstützung gehabt haben als bisher bekannt. Markus H., der wegen des Verdachts der Beihilfe in Untersuchungshaft sitzt, habe Stephan E. nicht nur den Kontakt zu einem Waffenhändler vermittelt, sondern aus Gesprächen von den Plänen gewusst, etwas gegen Lübcke zu unternehmen. Das geht aus einem Beschluss des 3. Strafsenats des BGH vom 22. August zur Haftbeschwerde von Markus H. hervor, der am vergangenenen  Freitag veröffentlicht wurde. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ am Dienstag darüber berichtet.

          Markus H. habe Stephan E. bestärkt, sein Vorhaben eines Attentats auszuführen. Spätestens seit Juli 2016 hielt er es nach Überzeugung des Senats für möglich, dass Stephan E. einen Politiker aus fremdenfeindlichen Motiven töten werde. Er habe dem Mordverdächtigen die Teilnahme an Schießübungen vermittelt. Gemeinsam hätten sie an Demonstrationen teilgenommen. Beide hätten rechtsradikales Gedankengut geteilt und sich darüber regelmäßig ausgetauscht.

          Eine Zeugin habe das enge freundschaftliche Verhältnis der beiden Männer bestätigt. Sie habe Markus H. als „Denker“ und Stephan E. als „Macher“ bezeichnet. Ihren Angaben zufolge nahmen beide an Schießübungen teil.

          Der CDU-Politiker Walter Lübcke war Anfang Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen bei Kassel mit einem Kopfschuss getötet worden. Der rund zwei Wochen nach der Tat festgenommene Hauptverdächtige Stephan E. hatte zunächst ein Geständnis abgelegt, dieses später aber widerrufen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Twitter-Fenster ist auch im Beruf bei vielen geöffnet.

          Die Karrierefrage : Was darf ich bei der Arbeit twittern?

          Von Trump bis zum einfachen Angestellten: Viele twittern während der Arbeit – und über sie. Das kann günstige Werbung sein oder ein PR-Albtraum. Chefs können wenig reinreden.

          Offensive in Nordsyrien : Erdogan verspottet Trump

          Der türkische Präsident verspottet nicht nur den deutschen Außenminister Maas, sondern auch den amerikanischen Präsidenten Trump für dessen Tweets. Verwirrung gab es über ein Treffen mit Vizepräsident Pence und Außenminister Pompeo in Ankara.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.