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Muslimischer Antisemitismus : Nichts gegen Juden, aber ...

Hass auf Juden: Verbrennung eines Lakens mit Davidstern am Sonntag im Berliner Stadtteil Neukölln Bild: Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V./dpa

Einwanderer aus muslimischen Ländern fallen in ganz Deutschland bei Protesten mit Antisemitismus auf. Doch wie weit sind solche Überzeugungen wirklich verbreitet?

          6 Min.

          Wer nur den Ton des Internetvideos hört, könnte sich irgendwo im Westjordanland wähnen, zwischen brennenden Autoreifen und Nebelschwaden aus Reizgas. Eine Männerstimme ist zu hören, brüllend und zornig. „Die Intifada ist das Recht des palästinensischen Volkes, sich gegen seine Besatzer zu wehren“, ruft ein Mann. „Jerusalem gehört nicht nur einem Volk. Jerusalem gehört allen Muslimen der Umma dieser Welt. Niemand anderem.“ Wild schwenkt die Handykamera hin und her. Menschentrauben sind zu sehen, Vollbartträger, die Palästinenserfahnen schwenken. Wieder wird gebrüllt. Der amerikanische Präsident Donald Trump habe mit seiner Entscheidung, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, „nicht nur Palästinensern“, sondern „den ganzen Muslimen den Krieg erklärt. Es gibt keinen Frieden mehr. Keinen Frieden. Der Friedensvertrag ist aufgelöst.“ Die „muslimische Armee“ der Türkei solle sich nach Jerusalem begeben.

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Video vom vergangenen Freitag zeigt aber mitnichten den Nahen Osten. Ein verschwommener Weihnachtsbaum und ein deutscher Bereitschaftspolizist tauchen im Bild auf. Das türkisfarbene Dach des Berliner Hotels Adlon auch. Und schließlich: das Brandenburger Tor. Abseits des Videos brüllen die Demonstranten auf Arabisch: „Tod Israel! Tod Israel!“ Und: „Chaibar, Chaibar, ya yahud, dschaisch Mohammed saya‘ud!“ – „Chaibar, Chaibar, o ihr Juden! Mohammeds Heer kommt bald wieder!“ Es ist ein Verweis auf den Feldzug des Propheten im Jahr 628 gegen die von Juden besiedelte Oase Chaibar. Von Kritik an Israels Regierung ist die Rede, aber immer wieder auch von einem religiösen Konflikt: Muslime gegen Juden. „Allah ist groß!“, wird gerufen. Dazwischen: Stirnbänder der islamistischen Hamas, Fahnen der islamistischen Hizbullah, ein brennendes Stofflaken mit einem aufgemalten Davidstern. Antisemitische Gewaltrhetorik mitten in Berlin, zweihundert Meter entfernt vom Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

          In ganz Deutschland fanden seither ähnliche Kundgebungen statt, sie wurden von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) und dem International Institute for Education and Research on Antisemitism (Iibsa) dokumentiert. In Düsseldorf wurde die israelische Fahne bespuckt, zertrampelt und es wurde zur Intifada aufgerufen. In Koblenz wurde die Chaibar-Parole verwendet. In Mainz wurden Landkarten ohne Israel gezeigt. Insgesamt 21 Versammlungen zählten Rias und Iibsa bis Dienstag, unter anderem in Bremen, Hamburg, Dortmund, Stuttgart, München und Trier. „Bei zwölf liegen Belege für gewaltverherrlichende und antisemitische Bildsprache vor“, heißt es in dem Bericht. Vertreter der Bundesregierung verurteilten die Hassparolen, genauso wie sie es getan hatten, als bei Pegida islamfeindliche Haltungen gezeigt wurde. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die „Ausschreitungen“ als „nicht nur inakzeptabel, sie sind unerträglich“. Die einseitige Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch Trump „rechtfertigt in keinster Weise Hass auf Israel und die Herabwürdigung unserer jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen“.

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