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Munitionsaffäre : Ermittlungen gegen KSK-Kommandeur ausgeweitet

Markus Kreitmayr, Kommandeur des KSK Bild: Bundeswehr

Strafverfolger haben auf Anordnung des Tübinger Amtsgerichts Handy und Computer von KSK-Kommandeur Kreitmayr beschlagnahmt. Neben einem Wehrdisziplinarverfahren droht dem Offizier nun auch eine zivile Verurteilung.

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          Die Ermittlungen gegen den amtierenden Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte (KSK) werden ausgeweitet. Wie das Verteidigungsministerium erst am Montagabend mitteilte, beschlagnahmten Feldjäger der Bundeswehr bereits am vorigen Freitag im Auftrag des Amtsgerichts Tübingen sowohl das dienstliche Handy als auch den dienstlichen Computer von Brigadegeneral Markus Kreitmayr. Beide Geräte würden durch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und ein Spezialteam der Bundeswehr zur Entschlüsselung kryptierter Daten ausgewertet, so das Ministerium.

          Peter Carstens
          (pca.), Politik

          Gegen den General wird seit Mitte vorigen Jahres wegen des Verdachts einer illegalen Munitionssammelaktion im KSK ermittelt. Dabei hatten Kommandosoldaten gestohlene Munition anonym und ohne rechtliche Konsequenzen abgeben können. Etwa 50.000 Schuss kamen zusammen, dazu zwei scharfe Handgranaten.

          Kramp-Karrenbauer hält an Brigadegeneral fest

          Außer einem Wehrdisziplinarverfahren droht dem Offizier eine zivile Verurteilung. Die Staatsanwaltschaft Tübingen ermittelt seit März 2021 wegen des „Verdachts der unterlassenen Mitwirkung bei Strafverfahren“ nach §40 des Wehrstrafgesetzes gegen ihn. Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums arbeitet die Bundeswehr „bei den Ermittlungen gegen Brigadegeneral Kreitmayr eng und vertrauensvoll zusammen“. Das sei aus Sicht des Ministeriums Routine.

          Als zunehmend ungewöhnlich muss allerdings gelten, dass Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) daran festhält, Kreitmayr trotz der schweren Vorwürfe in seinem Kommando zu belassen. Ebenso wenig wurden wegen der Rechtswidrigkeiten beim KSK bisher involvierte Generäle oder hohe Beamte für ihren Anteil an der Angelegenheit belangt. 

          In anderen Fällen wird bei der Bundeswehr mit deutlich größerer Härte durchgegriffen. So ist beispielsweise Anfang des Jahres der Kommandeur des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften (ZMSBw) in Potsdam nach anonymen Vorwürfen seines Kommandos enthoben worden. Der Kapitän zur See solle, so das anonyme Schreiben an seinen Vorgesetzten, bei seinen notwendigen Fahrten das Dienstfahrzeug für insgesamt rund 150 Kilometer innerhalb eines Jahres oder mehrerer Jahre nicht korrekt genutzt haben.

          Hinter dem Vorgang steckt zumindest unter anderem eine Intrige gegen den bislang tadellos beleumundeten Offizier. Im Falle des KSK-Kommandeurs hatten bereits die Wehrdisziplinaranwälte der vorgesetzten Division bemerkenswert langsam ermittelt. Kreitmayr wurde überhaupt erstmals vernommen, nachdem zu Jahresanfang ein Angeklagter, ein KSK-Unteroffizier in einem Leipziger Gerichtsprozess von der Munitionssammlung berichtet hatte. Die lag zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als ein halbes Jahr zurück. Kramp-Karrenbauer hatte zugesagt, im Kommando mit „eisernem Besen“ auszukehren.

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