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Multiresistente Erreger : Wer sich im Krankenhaus infiziert, erhält selten Schadenersatz – warum?

Winzig und doch hochgefährlich: multiresistente Keime Bild: dpa

Zehntausende Tote gibt es jährlich aufgrund von multiresistenten Erregern. Obwohl sich Betroffene zumeist in Krankenhäusern infizieren, erhalten sie selten eine Entschädigung. Daran hagelt es Kritik.

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          In Europa sterben jedes Jahr etwa 33.000 Patienten nach einer Infektion mit multiresistenten Keimen. Etwa so viele Menschen sterben pro Jahr an Grippe-, HIV- oder Tuberkulose-Infektionen in Europa. 2015 gab es in Deutschland etwa 54.000 Infektionen mit multiresistenten Keimen und aufgrund solcher Infekte 2363 Todesfälle. In den südeuropäischen Ländern ist die Zahl der Infektions- und Todesfälle wesentlich höher, weil vor allem in Italien über viele Jahre Antibiotika großzügig verordnet worden sind. Die Zahl von Infektionen mit gewöhnlichen, also nicht multiresistenten Krankhauskeimen ist noch viel höher: Nach Studien sind es 750.000 Infektionen und mindestens 15.000 Tote. Diese Infektionen sind zwar in der Regel einfacher zu therapieren, ein Problem der Krankenhausmedizin sind sie dennoch.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die meisten deutschen Krankenhäuser haben inzwischen auf das Problem reagiert und ihre Hygienestandards in den vergangenen Jahren verbessert. Das führte zu ersten Erfolgen: Gerade veröffentlichte das Robert-Koch-Institut (RKI) erfreuliche Zahlen, die Anzahl von MRSA-Infektionen pro 100.000 Einwohner in Deutschland ist demnach insgesamt rückläufig. Gab es 2012 noch 5,57 pro 100.000 Einwohner, waren es 2017 nur noch 3,39 Fälle. MRSA ist die Abkürzung für „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“.

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