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Multikulturalismus-Debatte : Altkanzler Schmidt: Anwerbung von Gastarbeitern war falsch

  • Aktualisiert am

Neue Einsichten: Der frühere Kanzler Schmidt (SPD) Bild: KEYSTONE

Der frühere Bundeskanzler Schmidt (SPD) hat sich selbstkritisch zur Anwerbung der Gastarbeiter geäußert. Deren Integration sei mißlungen. Daran seien auch die Kirchen schuld, die zu Feindseligkeit gegenüber Islam und Judentum erzogen hätten.

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          Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hat die mehr als 40 Jahre zurückliegende Anwerbung von Arbeitskräften aus Italien, Spanien, Portugal und der Türkei als Fehler bezeichnet.

          Mit der Demokratie sei das Modell einer multikulturellen Gesellschaft nur schwer zu vereinbaren, sagte der SPD-Politiker in einem Interview des „Hamburger Abendblatts“ vom Mittwoch. „Insofern war es ein Fehler, daß wir zu Beginn der sechziger Jahre Gastarbeiter aus fremden Kulturen ins Land holten".

          Multikultur funktioniert nur im Obrigkeitsstaat

          Die damit entstandenen Probleme seien in Deutschland, aber auch in ganz Europa vernachlässigt worden. Bislang funktionierten multikulturelle Gesellschaften nur dort friedlich, wo es einen starken Obrigkeitsstaat gebe, sagte Schmidt und nannte Singapur als Beispiel.

          Die entscheidende Ursache für das Mißlingen der Integration liegt nach Schmidts Worten in der Feindseligkeit gegen andere Religionen, zu der die christlichen Kirchen die Europäer über Jahrhunderte erzogen hätten. Das gelte insbesondere gegenüber dem Judentum und dem Islam.

          „Appell zu Toleranz kommt Jahrhunderte zu spät“

          „Wir haben eine Grundhaltung der Abwehr gegenüber diesen Religionen erzeugt, und wenn jetzt einige Idealisten von Toleranz reden, kommt dieser Appell Hunderte von Jahren zu spät", sagte der Altkanzler. „Es kommt hinzu, daß sich viele Ausländer gar nicht integrieren wollen.“

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