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Tödliche Dekowaffen : Das Darknet und die Tatwaffe von München

Die Waffe des Amokläufers war eine Glock. Bild: ASSOCIATED PRESS

Der Amokläufer von München benutzte bei seiner Tat Ermittlern zufolge eine wieder schussfähig gemachte Dekowaffe, die er im Internet gekauft hatte. Er ist nicht der erste Täter, der so an seine Mordwaffe kam.

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          Der Amokläufer von München benutzte bei seiner Tat Ermittlern zufolge eine wieder schussfähig gemachte Dekowaffe, die er im Internet gekauft hatte. Bei der Waffe handelt es sich um eine halbautomatische Glock-Pistole, die wahrscheinlich aus Tschechien oder aus der Slowakei stammt. Als Dekowaffen bezeichnet man Waffen, die früher scharf waren, dann aber unbrauchbar gemacht wurden.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In Deutschland gelten Waffen laut Waffengesetz als unbrauchbar, wenn die Patronenlager so verändert wurden, dass keine Munition mehr geladen werden kann. Zudem müssen der Verschluss und der Auslösemechanismus dauerhaft funktionsunfähig gemacht werden, und der Lauf muss entweder einen Längsschlitz aufweisen oder an mehreren Stellen durchbohrt sein. So wird sichergestellt, dass die Waffen nicht mehr funktionstüchtig gemacht werden können und nur noch als Dekorationsobjekte oder Theaterrequisiten taugen.

          Andere Länder, andere Vorschriften

          Andere Länder aber besitzen diese strengen Vorschriften nicht. Dort werden Waffen nur mit einem dünnen Stahlstift blockiert, bevor sie verkauft werden. Diese Waffen wieder scharf zu machen ist kein Problem. Dafür braucht man nur ein paar Werkzeuge aus einem Baumarkt. Selbst Menschen, die ansonsten nichts mit Schusswaffen zu tun haben, benötigen nur etwa eine Stunde, dann haben sie wieder eine funktionsfähige Waffe.

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          Solche Dekowaffen konnte man bis vor kurzem einfach online bei Händlern in der Slowakei bestellen. Für wenige hundert Euro war eine Pistole zu haben. Das Bundeskriminalamt stellte schon 2014 fest, dass der illegale Umbau von Dekowaffen in Deutschland und Europa zugenommen hat.

          Solche Waffen wurden auch vor dem Amoklauf in München für Straftaten und für Terroranschläge genutzt. So hatten beispielsweise die Attentäter, die im Januar 2015 das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ überfielen und zwölf Menschen erschossen, wieder scharf gemachte Waffen.

          Trotz strengerer Gesetze unzählige Waffen im Umlauf

          In der Slowakei ist der Online-Handel nun erschwert. Auch die Europäische Kommission hat das Problem erkannt und für EU-Staaten gemeinsame Mindeststandards für die Deaktivierung von Feuerwaffen beschlossen. Dennoch sind unzählige Dekowaffen im Umlauf, die sich leicht wieder zu scharfen Waffen umbauen lassen. Und es ist kein Problem, eine solche Waffe, auch bereits wieder scharf gemacht, im Internet zu kaufen. Auch Ali David S. soll seine Waffe dort erworben haben, und zwar im sogenannten Darknet.

          Das Darknet ist ein verborgener, jedoch leicht auffindbarer Bereich des Internets, in dem Kriminelle zum Beispiel Drogen oder eben Waffen anbieten. Man kann diese Waffen mit wenigen Klicks bestellen – wie ein Buch oder ein Kleidungsstück. Seit einiger Zeit muss man dafür aber nicht einmal mehr ins Darknet, denn man kann solche Waffenhändler sogar mit gängigen Suchmaschinen finden. Es gibt Plattformen im Netz, die einzig dazu dienen, illegale Waren zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen. Die kriminellen Waffenhändler werben auf diesen Seiten offen für ihr Sortiment.

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