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München 1972 : Ein furchtbarer Fehlschlag

Am Tag nach dem gescheiterten Befreiungsversuch: Zwei ausgebrannte Hubschrauber auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck Bild: dapd

Die Olympischen Spiele 1972 wollten heitere Spiele sein und endeten in einer Katastrophe. Weil es kaum Sicherheitsmaßnahmen gab, hatten die palästinensischen Terroristen leichtes Spiel. Auch vierzig Jahre nach der Bluttat sind noch nicht alle Fragen beantwortet.

          Schaul Ladany hat sich lange auf seine Reise nach München gefreut, obwohl der Anlass ein trauriger ist. An diesem 5. September kehrt der Israeli an den Ort zurück, an dem er 1972 fast sein Leben verlor. Gemeinsam mit den anderen Überlebenden und vielen Angehörigen wird er der elf Sportler gedenken, die während der Olympischen Spiele zu Opfern des palästinensischen Terrorismus, aber auch des deutschen Dilettantismus wurden. Sie alle sind in die bayerische Landeshauptstadt und nach Fürstenfeldbruck eingeladen, wo es damals bei einem Befreiungsversuch auf dem Flughafen zur Katastrophe kam.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Wenn der israelische Geher vom Spätsommer 1972 erzählt, gerät er noch heute ins Schwärmen. „Der Anfang war einfach wunderbar. Da war ein Gefühl von Freiheit.“ Jeden Tag ist er in München Dutzende Kilometer gegangen, seine Trainingsstrecke führte vom Olympischen Dorf bis hinaus in den Nymphenburger Schlosspark. „Nichts hatte mehr mit Bergen-Belsen zu tun. Es war ein anderes, offenes Land“, erinnert sich der 76 Jahre alte Mann, der acht Jahre alt war, als er ins Konzentrationslager gesteckt wurde.

          Vor der Bluttat besuchten die Attentäter das Volleyballturnier

          München sollten heitere Spiele werden, das Gegenteil der von den Nationalsozialisten organisierten Wettbewerbe 1936 in Berlin. Walther Tröger, der spätere Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), der 1972 Bürgermeister des Olympischen Dorfes war, mutmaßt, dass Deutschland ohne diese Vision, die dazu geführt hatte, dass es kaum Kontrollen, keinen Stacheldraht und keine Schusswaffen für das Sicherheitspersonal gab, die Spiele erst gar nicht bekommen hätte. Selbst die Terroristen schienen die Atmosphäre zu genießen: Vor ihrer blutigen Tat besuchten sie das olympische Volleyballturnier, und ihr Anführer Issa lobte in den Verhandlungen mit Tröger: „Ihr habt eine gute Olympiade gemacht.“ Auch das Unterhaltungsangebot stimmte. Am 4. September waren Ladany, wie Issa ein Ingenieurwissenschaftler, und seine israelischen Mannschaftskollegen zu einer Aufführung des Musicals „Anatevka“ ins Deutsche Theater eingeladen.

          Die heiteren Spiele enden in einer Katastrophe

          Auch Schmuel Lalkins Frau und sein Sohn waren dabei. Der Chef der israelischen Olympia-Delegation hatte dem dreizehn Jahre alten Jungen die Reise zur Barmizwa geschenkt, durch die er gerade vollwertiges Mitglied der jüdischen Gemeinde geworden war. Als sie nach Mitternacht ins Olympische Dorf zurückkehrten, flossen Tränen. Sein Sohn wollte unbedingt eine Nacht unter einem Dach mit seinen Idolen verbringen. Die anderen Sportler hätten ihn gedrängt, nicht so streng zu sein, sagt Lalkin. Aber er habe Frau und Sohn zurück ins Hotel geschickt. „Ich hatte so ein Gefühl.“ Sein Sohn ist heute 53 Jahre alt und ein erfolgreicher Arzt.

          Mutmaßungen über Beteiligung der DDR

          Lalkin war mit Unbehagen nach München geflogen. Im Juni, bevor die Spiele begannen, hatte er sich die Unterkünfte für seine Mannschaft zeigen lassen und war sofort beunruhigt. „Wir sollten im Erdgeschoss wohnen, es gab Türen direkt in den Garten, draußen fuhren Busse vorbei“, berichtet er. Lalkin verlangte, dass seine Mannschaft im achten oder neunten Stock untergebracht werden sollte, wo ihre Apartments nur mit einem Aufzug zu erreichen wären. Vergeblich. In München versuchte man, ihn zu beruhigen. Die Quartiere seien in Absprache mit den Sicherheitsleuten der israelischen Botschaft und des Olympischen Komitees ausgewählt worden. „Hier regiert der olympische Geist, nichts wird passieren“ - so beschwichtigte ein deutscher Polizist die israelischen Bedenken, wie aus jüngst veröffentlichten Akten des israelischen Nationalarchivs hervorgeht. Lalkin ließ nicht locker. Aber selbst in Israel blitzte er ab. „Sie sind nur für sportliche Fragen zuständig“, hieß es.

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