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Moschee in Sachsen : Im Dienst für den IS

  • -Aktualisiert am

Die Moschee in Plauen wirkt unscheinbar, aber hier soll salafistische Ideologie verbreitet worden sein. Bild: dpa

Wurde in einer Moschee im sächsischen Plauen Gewalt gepredigt? Gegen einen 22 Jahre alten Syrer wurde am Freitag Haftbefehl erlassen. Er soll in enger Verbindung zu der Moschee stehen.

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          Vor neun Jahren öffnete das Islamische Zentrum Al-Muhadjirin in Plauen eine Moschee, es war die erste im Vogtland überhaupt. „In den Reden bei unseren Gebetsstunden sprechen wir auch über den Alltag, über das Tagesgeschehen und über ein vorbildliches Leben, auf dass wir zwischen den fünf Gebeten Gutes tun“, erzählte der Imam damals der Zeitung „Vogtland-Anzeiger“. Die Moschee, so der Plan, solle zu einem kulturellen und religiösen Zentrum des Islams im Vogtland entwickelt werden. Von diesem Plan aber scheint der Verein inzwischen weit entfernt zu sein, denn am Donnerstagmorgen rückten Spezialeinsatzkräfte der Bundespolizei in Plauen an, durchsuchten eine Wohnung und nahmen einen mutmaßlichen Terroristen fest, der mit Moschee und Verein in enger Verbindung stehen soll. Am Freitagmorgen wurde ein Haftbefehl gegen den Syrer erlassen.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Dem Generalbundesanwalt zufolge ist der 22 Jahre alte Syrer dringend verdächtig, in zwei Fällen um Mitglieder oder Unterstützer für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) geworben sowie in fünf Fällen Gewaltdarstellungen öffentlich zugänglich gemacht und verbreitet zu haben. Darüber hinaus soll der Mann selbst dem IS angehören. Nach Erkenntnissen des Generalbundesanwalts hat der Tatverdächtige seit September 2017 zahlreiche Propagandaveröffentlichungen des IS in öffentlich zugängliche „Whatsapp“-Chatgruppen gestellt, die er selbst als Administrator betrieb und die er als „Nachrichtenagentur“ bezeichnete. Zwei Veröffentlichungen haben demnach konkrete Handlungsanweisungen enthalten, sich am IS zu beteiligen. Außerdem habe der Beschuldigte „umfangreiche Bild- und Videodateien, die Propagandamaterial des IS mit grausamen Folter- und Hinrichtungsszenen von Gefangenen des IS“ über diese Gruppen öffentlich zugänglich gemacht.

          Zur gleichen Zeit durchsuchten 50 Einsatzkräfte des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismusabwehrzentrums Sachsen in Dresden die Wohnung einer 36 Jahre alten Syrerin, gegen die ebenfalls wegen des Verdachts der Unterstützung des IS sowie des Werbens um Mitglieder für die Terrorvereinigung in sozialen Medien ermittelt wird. Sie soll seit ihrer Einreise im Jahr 2015 in Deutschland Propaganda für den IS gemacht und um Mitglieder geworben haben. Bei der Durchsuchung stellten die Ermittler mehrere Mobiltelefone sowie Bankunterlagen sicher, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden mit, die die beschuldigte Frau nach Abschluss der Maßnahmen wieder entließ. Ob und inwieweit beide Fälle im Zusammenhang stehen, teilten die Behörden am Donnerstag zunächst nicht mit.

          Sachsens Verfassungsschutz allerdings hat die Plauener Al-Muhadjirin-Moschee bereits seit längerem im Blick. „Zumindest seit Mitte 2017 wird im Rahmen von Freitagspredigten und Lehrstunden die salafistische Ideologie verbreitet“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde vom Donnerstag. An den Predigten nähmen bis zu 250 Leute teil, ebenso würden Lehreinheiten und Koranauslegungen über die Video-Plattform Youtube im Internet verbreitet. Der Inhalt sei „von einer ablehnenden Haltung gegenüber der freiheitlichen demokratischen Grundordnung geprägt“. Zuhörer würden darin aufgefordert, sich an die Scharia zu halten, während Demokratie und die säkulare Gesellschaft als Grund für den vermeintlichen Niedergang der islamischen Gemeinschaft dargestellt seien.

          Warnung vor der Schule

          Darüber hinaus würden antisemitische Positionen vertreten sowie das Existenzrecht Israels bestritten. In einer Predigt Ende vergangenen Jahres seien Juden als das schlimmste aller Völker bezeichnet worden. Zudem sei der Westen an sich der Feind, weil er versuche, den Islam zu verändern und zu bekämpfen. In einem Lehrvideo vom Juni dieses Jahres werde die Welt demnach in Länder des Islams, des Bundes, des Krieges und des Unglaubens eingeteilt, wobei Deutschland in letztere Kategorie eingeordnet worden sei. In den Predigten werde sich gegen die Gleichstellung der Frau und für eine salafistische Erziehung der Kinder ausgesprochen und auch vor dem deutschen Sozialversicherungssystem gewarnt, weil es die Gleichstellung der Frau befördere und Ehescheidungen leichter mache. Auch das deutsche Schulsystem sei für Kinder eine Gefahr, weil es Selbstbestimmung sowie freie Partnerwahl lehre. „Wenn wir nicht aufpassen, dann erleben wir den Tag, an dem die Kinder das europäische Modell übernehmen und den Islam damit gefährden“, zitiert das Landesamt aus einer Predigt.

          Vereinzelt sei auch die Anwendung von Gewalt, also der militante Dschihad, befürwortet und gepredigt worden. Dem Verfassungsschutz zufolge ist der Salafismus die zurzeit bedeutendste und dynamischste islamistische Bewegung mit dem größten Zuwachs in Deutschland, der im vergangenen Jahr 10.700 Personen angehörten. Das waren 1500 mehr als ein Jahr zuvor.

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