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Mord an Walter Lübcke : Untersuchungsausschuss wird immer wahrscheinlicher

  • -Aktualisiert am

Der Tatverdächtige Stephan E. gab in seinem zurückgezogenen Geständnis an, die Tat bereits vor Jahren erwogen zu haben. Bild: dpa

Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat vermutlich nicht alleine gehandelt. Wussten die Behörden doch mehr als bisher bekannt?

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          Man gehe zwar davon aus, dass die beiden Männer die rechtsextremistische Gesinnung des mutmaßlichen Mörders gekannt und es billigend in Kauf genommen hätten, dass die Waffe für ein „politisch motiviertes Tötungsdelikt“ benutzt würde. Doch gebe es keine „zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte“ für die Bildung einer „rechtsterroristischen Vereinigung“, hieß es seitens der Bundesanwaltschaft, als Ende Juni Markus H. und Elmar J. festgenommen wurden wegen Beihilfe zum Mord. Diese Annahme muss nun möglicherweise revidiert werden. Denn es verdichten sich die Hinweise, dass J. und H. zusammen mit dem dringend des Mordes an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke verdächtigten Stephan E. eine rechte Terrorzelle gebildet haben. Nach Darstellung der ermittelnden Bundesanwaltschaft soll E. im Jahr 2016 die spätere Tatwaffe von Elmar J. gekauft und damit dann Anfang Juni dieses Jahres Walter Lübcke erschossen haben. 

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Über J. war bisher recht wenig bekannt. Der 64 Jahre alte Mann lebte in einer ehemaligen Gaststätte in Borgentreich, einem Ort in Nordrhein-Westfalen unweit von Kassel. Anwohner beschrieben ihn als „Lebenskünstler“, seinen Lebensunterhalt soll er auf Trödelmärkten bestritten haben. Zu ihm lägen „keine polizeilichen oder nachrichtendienstlichen Erkenntnisse“ vor, hatte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) im Innenausschuss in Wiesbaden Ende August gesagt. Ein Vertreter der Bundesanwaltschaft berichtete am Mittwoch jedoch in nichtöffentlicher Sitzung im Innenausschuss des Bundestags nach Auskunft von Abgeordneten, auch bei Elmar J. gebe es Hinweise auf eine rechte Gesinnung. Die Frage, woran sie das festmacht, ließ die Bundesanwaltschaft unbeantwortet. Zu Sitzungen des Innenausschusses äußere man sich grundsätzlich nicht, sagte ein Sprecher. 

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