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Mord an Susanna F. : Laissez-passer am Düsseldorfer Flughafen

  • -Aktualisiert am

Spurensicherung: Ermittler untersuchen den Fundort der Leiche nahe Wiesbaden-Erbenheim. Bild: dpa

Bevor Ali Bashar die 14 Jahre alte Susanna F. ermordet haben soll, wurde er von einem elf Jahre alten Mädchen der Vergewaltigung bezichtigt – doch die Polizei sah keinen konkreten Tatverdacht.

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          Dort, wo sich die Stadt in die Felder verliert auf die nun die Sonne brennt, fand die Polizei schließlich die Leiche des Mädchens. In einem Erdloch, mit Reisig und Blättern bedeckt, zwischen einer Bahnlinie und der Bundesstraße 455 in Richtung Mainz. Am 22. Mai war die 14 Jahre alte Schülerin Susanna F., ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde, nicht mehr von einem Ausflug nach Wiesbaden zu ihrem Elternhaus ins nahe Mainz zurückkehrt. Lange zwei Wochen hatte die Polizei mit Hundertschaften, Hubschraubern, Spürhunden und Zeugenaufrufen nach ihr gesucht. Am Donnerstag dann die traurige Gewissheit: Bei der Leiche, die am Mittwochnachmittag in der Nähe von Wiesbaden-Erbenheim gefunden wurde, handelt es sich um Susanna F. Das hätten DNA-Analysen zweifelsfrei ergeben, sagt der Leiter der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, Achim Thoma.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Der gibt am Donnerstag mit einem Kollegen und zwei Polizeibeamten Details bekannt. Sie sitzen an einem schmalen Tisch im Justizzentrum Wiesbaden – nur etwa anderthalb Kilometer vom Fundort der Leiche entfernt. Den Ergebnissen der Obduktion zufolge sei von einem Tötungsdelikt durch eine Gewalteinwirkung am Hals auszugehen, so Thoma. Zudem sei das Mädchen der Obduktion zufolge Opfer eines Sexualverbrechens geworden. Der Tatverdacht richtete sich zunächst gegen zwei Personen: Einen Iraker und einen Türken. Sie sollen Susanna F. in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai vergewaltigt und ermordet haben. An einer noch unbekannten Stelle, um sie dann am Rande eines Feldes nahe Wiesbaden-Erbenheim zu vergraben. Der Tatverdacht gegen den 35 Jahre alten Türken hat sich nicht erhärtet. Er hat das Justizgebäude wieder verlassen.

          Wieder werden damit Asylbewerber verdächtigt, die Tat begangen zu haben – wie schon in Kandel, wo ein Flüchtling beschuldigt wird, seine frühere Freundin erstochen zu haben. Oder in Freiburg, wo ein afghanischer Flüchtling eine Studentin ermordete. Von den Verdächtigen in Wiesbaden kam der eine, Ali Bashar, 20 Jahre alt, Iraker, in den Monaten der offenen Grenzen 2015 über die Türkei, Griechenland und den Westbalkan nach Deutschland. Als Asylgrund gab er an, von der PKK bedroht worden zu sein. Der Asylantrag wurde am 30. Dezember 2016 abgelehnt. Seitdem läuft Bashars Klage dagegen. Die Stadt Wiesbaden stellte ihm angesichts des laufenden Verfahrens eine Aufenthaltsgestattung aus. Der Fall wirft damit auch ein Schlaglicht auf die Umsetzung der Asylgesetze.

          Die Vorwürfe in chronologischer Reihenfolge

          Zudem bleiben viele Fragen an die Wiesbadener Polizei. Bashar habe seit Anfang dieses Jahres die Polizei „intensiv beschäftigt“, so Polizeipräsident Stefan Müller. Die Vorwürfe in chronologischer Reihenfolge: April 2017 Pöbelei und Schlägerei, Tatbeteiligung konnte nicht erhärtet werden, Verfahren wurde eingestellt. 11. Februar 2018: Ein Mann wird von drei Männern verprügelt, Bashar befindet sich in der Nähe. Er streitet alles ab, der Betroffene verweigert die Aufklärung. 24. März 2018: Bashar rempelt nachts in der Wiesbadener Innenstadt eine Stadtpolizistin an, schlägt um sich, spuckt. Die Polizei nimmt ihn in Gewahrsam, das Verfahren läuft noch. 27. März 2018: Ein Mann wird von Bashar und einem Mittäter mit einem Messer bedroht, in einen Busch gezogen und seiner Wertsachen beraubt. Das Verfahren läuft noch. 19. April 2018: Die Wiesbadener Polizei kontrolliert Bashar in der Stadt. Er führt ein Einhandmesser mit sich.

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