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Tod Luxemburgs und Liebknechts : Noske, der wird schießen

  • -Aktualisiert am

Der SPD-Politiker Gustav Noske (2. v. l.) und rechts neben ihm General von Lüttwitz (undatierte Aufnahme, um 1919) Bild: akg-images

Am 15. Januar jährt sich die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zum hundertsten Mal. Hatte ein Sozialdemokrat etwas damit zu tun? SPD-Chefin Andrea Nahles überrascht mit einem Eingeständnis.

          Eine erregte Menschenmenge schlägt auf die Spartakistin Rosa Luxemburg ein, als sie in einem offenen Wagen vom Hotel Eden zum Untersuchungsgefängnis nach Moabit gebracht werden soll. Jemand springt auf das Trittbrett, zieht eine Pistole und schießt ihr in den Kopf. Dann zerrt der aufgebrachte Pulk den toten Körper aus dem Auto und wirft ihn von der Lichtensteinbrücke in den Landwehrkanal. 15. Januar 1919, kurz vor Mitternacht.

          So hatte Hauptmann Waldemar Pabst, der Mann, der den Tod Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts plante, es sich ausgedacht, und so ließ er es hinterher darstellen. Die wütende Menge spielten Soldaten, die Rolle des Mörders übernahm der Hauptmann zur See Hermann W. Souchon.

          Eine fingierte Panne

          Eine halbe Stunde vorher war Luxemburgs Mitstreiter Liebknecht im Tiergarten „auf der Flucht“ erschossen worden. Er saß mit einigen Offizieren ebenfalls in einem Auto, man fingierte eine Panne und fragte den von einem Schlag mit einem Gewehrkolben benommenen Liebknecht, ob er zu Fuß gehen könne, was er bejahte. Dann ließen die Offiziere ihn plötzlich los, die anderen schossen „auf sein Kreuz, wenn man davon reden kann“, wie sich einer von ihnen später im Jahr 1919 vor dem Kriegsgericht ausdrückte. – So hätte man es mit der gehbehinderten Rosa Luxemburg nicht machen können.

          Im März 1961 erlaubte Hauptmann Pabst einer Runde ehemaliger Kadetten in Düsseldorf einen Einblick in seine Gedankenwelt. Jemand ließ ein Tonband mitlaufen; diese Aussagen werden hier erstmals wiedergegeben: „Und da es dabei (gemeint ist: bei der Eroberung Berlins im Januar 1919) gelang, die Führer der, sagen wir mal, spartakistischen Revolution, Liebknecht und Rosa Luxemburg, die geistigen Führer jedenfalls und überhaupt die Führer, gefangen zu nehmen und sie ihrer gerechten Bestrafung zuzuführen, war damit den Leuten größtenteils das Rückgrat gebrochen, denn beide waren überragende politische Führer, Agitatoren und Propagandisten. Ich hab sie beide sprechen hören, ich bin zwei Mal in Zivil in solche Versammlungen gegangen und kann Ihnen nur sagen, der Adolf Hitler konnte es nicht annähernd so gut, wie’s die Rosa Luxemburg konnte. Die Leute waren wie verrückt.“

          Schnell war Hauptmann Pabst klar: „Die müssen weg. Die sind so gefährlich, wenn wir die haben, da gibt’s nichts zu winseln, da müssen wir selber Richter sein, und so geschah es.“ Pabst ließ die beiden suchen und hatte Erfolg.

          Karl Liebknecht (l.) und Rosa Luxemburg

          In wenigen Tagen liegen diese Ereignisse hundert Jahre zurück, und noch immer sind sie Stoff für erbitterte Diskussion. Arno Widmann nannte es kürzlich am 100. Jahrestag der Novemberrevolution 1918 in der „Berliner Zeitung“ „vernünftig“, dass die SPD gegen alles, „was links von ihr stand, rabiat vorgegangen war“. Man solle das feiern.

          Am selben Tag überraschte die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles, wenn auch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, im Willy-Brandt-Haus mit der Aussage, es gelte als wahrscheinlich, dass der Sozialdemokrat Gustav Noske bei der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts seine Hände im Spiel hatte. Die SPD könne sich ihre Geschichte nicht in rosaroten Farben malen. Zugleich jedoch reklamierte Nahles das Erbe Rosa Luxemburgs für die SPD, auch wenn diese sich von der Partei losgesagt habe.

          Rosa Luxemburg war, wie auch Liebknecht, jahrzehntelang Mitglied der Sozialdemokraten gewesen. Entscheidend für die Abkehr von der Partei war das Verhalten der SPD-Führung bei Ausbruch des Krieges. Als die Fraktion im August 1914 erstmals den Kriegskrediten zustimmte, soll Lenin das im Schweizer Exil für eine Falschmeldung gehalten haben. Rosa Luxemburg erlitt einen Zusammenbruch. Im Dezember 1914 war sie in psychiatrischer Behandlung.

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