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Tod Luxemburgs und Liebknechts : Noske, der wird schießen

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Um zu verstehen, warum, muss man sich Eberts Verhalten während der Revolution etwas genauer ansehen – vor allem während der Weihnachtskämpfe in Berlin. In den frühen Morgenstunden des 24. Dezember 1918 ging Pabsts Garde-Kavallerie-Schützen-Division auf Befehl von Friedrich Ebert mit Kanonen und Gewehren gegen die legal im Schloss lagernde Volksmarinedivision vor – eigentlich die Elitetruppe der Revolutionsregierung. Es hatte seit der Revolution immer wieder mit Ebert abgesprochene Versuche der Obersten Heeresleitung gegeben, im „roten“ Berlin aufzuräumen. Ebert war das recht, denn er wollte die Revolution nicht, er hasste sie „wie die Sünde“. Als der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Republik ausrief, versuchte Ebert das sogar rückgängig zu machen: Am Nachmittag des 9. November bat er seinen Vorgänger als Reichskanzler, Prinz Max von Baden, als Reichsverweser in Berlin zu bleiben. (Darauf hat Sebastian Haffner in seinem letzten Buch „Von Bismarck zu Hitler“ hingewiesen.)

Nun war also Noske im Rat der Volksbeauftragten. 1907 hatte der in Brandenburg geborene Politiker in seiner ersten Rede im Reichstag verkündet, dass man es selbstverständlich als SPD nicht zulassen werde, wenn das „deutsche Volk von irgendjemand anderem mit dem Rücken an die Wand gedrückt wird“. Dies sei unsere „verdammte Pflicht und Schuldigkeit“. „Die lustigen Blätter“ ulkten in einem Gedicht: „Lasst’s euch nicht verdrießen, Noske, der wird schießen!“

Noske und Pabst zogen sich ins ländliche Dahlem zurück und organisierten gemeinsam die Gegenrevolution. Sie stellten die Freikorps-Truppen zusammen, mit denen sie nun endgültig Berlin erobern wollten, nachdem mit den regulären kaiserlichen Truppen nicht mehr viel anzufangen war. Die gingen einfach nach Hause, um mit ihren Familien Weihnachten zu feiern. Die Waffen ließen sie auf der Straße liegen, Pabst beauftragte seine Männer, sie einzusammeln.

Noskes Zögern

Innerhalb weniger Tage glich das Luisenstift, ein Mädchenpensionat, einem Heerlager – mit Noske als Oberkommandierendem. Pabst 1961 über Noske: „Wie er kam, war er noch völlig von marxistischen Ideen durchsetzt, aber er hat sehr rasch Gefallen gefunden an der Stellung als Oberbefehlshaber, war sehr aufnahmefähig, lernte sehr rasch militärisch denken.“

Nach dem so genannten Spartakusaufstand rückten die von Pabst und Noske zusammengestellten Truppen vom Südwesten her in das revolutionäre Berlin ein, wobei ihnen am Abend des 15. Januar 1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in die Hände fielen. Pabst schreibt dazu in seinen unveröffentlichten Memoiren: „Dann ging ich wieder in mein Büro, um mir in den wenigen Minuten, in denen ich in einer gewissen Ruhe nachdenken konnte, mir zu überlegen, wie die Exekution an diesen beiden nach unserer (,meiner‘ durchgestrichen) Auffassung schwer schuldigen Spitzen-Landes- und Hochverräter (sic) durchgeführt werden solle. Dass sie durchgeführt werden musste, darüber bestand bei Herrn Noske und mir nicht der geringste Zweifel, als wir über die Notwendigkeit der Beendigung des Bürgerkrieges sprachen. Aus Noskes ,Andeutungen‘ musste und sollte ich entnehmen, auch er sei der Ansicht, Deutschland müsse so schnell wie möglich zur Ruhe kommen.“

Pabst weiter: „Über das ,dass‘ bestand also Einigkeit. Als ich nun sagte, Herr Noske, geben Sie Befehle über das ,Wie‘, meinte Noske: ,das ist nicht meine Sache! Dann würde die Partei zerbrechen, denn für solche Maßnahmen ist sie nicht und unter keinen Umständen zu haben. Das soll der General tun, es sind seine Gefangenen.‘“

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