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Tod Luxemburgs und Liebknechts : Noske, der wird schießen

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Zudem drohten ihr vierzehn Monate Schutzhaft wegen „Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und gegen Anordnungen der Obrigkeit“ – so hatte es das Frankfurter Landgericht im Februar 1914 angeordnet. Grund war der schlichte Satz: „Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffen gegen unsre französischen oder andern Brüder zu erheben, dann rufen wir: Das tun wir nicht!“

Drastischer Mitgliederschwund

Rosa Luxemburg verbrachte den Krieg weitgehend im Gefängnis. Ähnlich Karl Liebknecht: Bei einer Protestaktion am 1. Mai 1916 auf dem Potsdamer Platz in Berlin rief er: „Nieder mit dem Krieg, nieder mit der Regierung!“ Weiter kam er nicht; er landete in Festungshaft, die erst kurz vor der Revolution endete. Schon 1915 war er wegen seines parlamentarischen Abstimmungsverhaltens – er votierte als Erster gegen die Kriegskredite – als Armierungssoldat eingezogen worden. Diese Soldaten waren nicht unmittelbar im Feld, sondern für die Befestigungsanlagen zuständig. Nur zu den Parlamentssitzungen bekam er Urlaub von der Front.

Die SPD-Führung hatte sich insgeheim schon 1913 für die Politik des Burgfriedens entschieden. Vom August 1914 an bewilligte die Fraktion im Reichstag regelmäßig die Kriegskredite. Sie genoss bald die ungewohnte Anerkennung der Parlamentskollegen und reiste auch gerne mal an die Front, um sich über die militärischen Erfolge zu informieren. Die Parteiführung hatte sich das alles 1913 so zurechtgelegt: Man könne sowieso nicht zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg unterscheiden; also machte man eben mit, wenn die Arbeiter einen Nutzen davon hatten.

Ein Blick auf die Landkarte hätte die Genossen leicht eines Besseren belehren können. Standen und kämpften die deutschen Truppen nicht überall in Feindesland? Merkten die Abgeordneten bei ihren Fahrten an die Front nicht, wie tief sie nach Belgien und Frankreich hineinfuhren? Stattdessen freuten sie sich über das Flattern der deutschen Flagge über Antwerpen. Der Angriff auf das neutrale Belgien – damit wollte man die französischen Befestigungen umgehen – zog sofort die Engländer in den Krieg. Aber hatte Österreich nicht Probleme mit Serbien und Russland gehabt? Was hatte das mit Frankreich zu tun?

In den ersten beiden Kriegsjahren verlor die SPD 60 Prozent ihrer Mitglieder – die einen starben an der Front, andere traten aus. Wie würde sich die Diskussion über die Billigung des Krieges gegen jede programmatische Grundlage der Partei nach dem Krieg fortsetzen? Überzeugte Verfechter des Krieges und zu allem entschlossene Kriegsgegner in einer Partei: das konnte nicht lange gutgehen. Millionen Gefallene, Hungertote, Verwundete, Verkrüppelte, Waisen und Witwen standen nun zwischen der SPD-Führung und der Basis. Da half es auch nicht, dass Parteichef Friedrich Ebert selbst im Krieg zwei Söhne verloren hatte.

Geplante Gegenrevolution

Auch an den Weihnachtskämpfen am Berliner Stadtschloss war Hauptmann Pabst führend beteiligt. Kurz danach lernte er den SPD-Politiker Gustav Noske kennen. Der war gerade Mitglied im Rat der Volksbeauftragten geworden, in der immer noch „revolutionären“ Regierung sollte er fortan für das Militär zuständig sein. Der Posten war frei geworden, weil die drei USPD-Mitglieder unter Protest aus dem Rat der Volksbeauftragten ausgeschieden waren, denn sie fühlten sich von Ebert hintergangen.

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