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Besuch in der Mongolei : Ein Blutsbruder für von der Leyen

Ursula von der Leyen am 17. Oktober im Bundeskanzleramt Bild: EPA

In Afghanistan sollen mongolische Soldaten das von der Bundeswehr geführte Camp Marmal sichern. Beim Besuch im Land erhält die Verteidigungsministerin ein Geschenk, das sie nicht ablehnen kann.

          Eingehüllt in eine dicke Staubwolke rast der Konvoi mit der deutschen Ministerin an einer Frau in Burka vorbei. Ein ausgebrannter Bus steht im verdorrten Steppengras. In der Ferne karge Berglandschaft. Für einen Moment lang muss sich Ursula von der Leyen vorgekommen sein, als sei sie in Afghanistan gelandet. Doch die Schüsse im Hintergrund und die beiden schwerverletzten Soldaten auf dem Boden sind nur Teil einer Übung vor täuschend echter Kulisse. Dies ist nicht Afghanistan, sondern die Mongolei.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Ursula von der Leyen besucht am Samstag das Trainingszentrum für Friedenseinsätze, zwei Stunden von der Hauptstadt Ulaanbaatar entfernt. Dort bildet die Bundeswehr mongolische Soldaten für den Einsatz in Afghanistan aus. Sie sollen das von Deutschland geführte Feldlager Camp Marmal sichern. „Unsere Mongolen“, nennt die Verteidigungsministerin sie freundschaftlich. Die Stimmung ist herzlich. Man schätzt sich. Neun Jahre gemeinsamer Einsatz am Hindukusch schweißen zusammen. Bei der Bundeswehr schwärmt man von den soldatischen Tugenden, die in der Mongolei traditionell groß geschrieben werden. Und in der Mongolei sieht man Auslandseinsätze als Chance, internationale Verbündete zu gewinnen, um die eigene Abhängigkeit von den übermächtigen Nachbarn China und Russland zu verringern. Drittnachbarschaftspolitik wird das offiziell genannt. Rund ein Zehntel der rund 9000 aktiven Soldaten dienen derzeit in Auslandseinsätzen in Ländern wie Südsudan und Kongo.

          Durchreisende Politiker beschenkt man in Ulaanbaatar gern mit einem Pferd. So pflegt die Mongolei das Image des stolzen Reitervolks. Auch Ursula von der Leyen kommt daran nicht vorbei. Schon Donald Rumsfeld bekam 2005 ein Pferd geschenkt und taufte es „Montana“ nach dem Bundesstaat, aus dem seine Frau stammt. Bis heute erzählt man sich in der mongolischen Hauptstadt, dass Montana zum logistischen und politischen Eiertanz geriet.

          Nicht nur, weil das Pentagon mit der Frage rang, wie das Tier in die Vereinigten Staaten gelangen sollte, sondern auch weil man den Zorn der Steuerzahler fürchtete, auf deren Kosten Montana hätte versorgt werden müssen. Der deutschen Verteidigungsministerin blieb aber weiterer Ärger mit dem Bundesrechnungshof erspart, denn die Mongolen haben dazugelernt. Pferde werden nun nur noch symbolisch verschenkt und dann in eine Herde von Ehrentieren aufgenommen. Das steht im Einklang mit der mongolischen Nomadentradition, in der Pferde häufig verschenkt und dann für den Besitzer betreut werden. So begnügt sich die Ministerin am Samstag damit, „ihr“ Pferd zu taufen, indem sie dem Tier seinen Namen ins Ohr flüstert. Andaa. Das heißt so viel wie Gefährte oder Blutsbruder und soll die Freundschaft zwischen Deutschland und der Mongolei symbolisieren. Schon im 13. Jahrhundert knüpfte Dschingis Khan so seine Allianzen.

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