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Mollath-Prozess : Das Urteil steht schon fest

Das Urteil gegen Gustl Mollath darf nicht schlechter ausfallen als im ersten Prozeß Bild: dpa

Morgen wird im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath das Urteil gesprochen. Der Freispruch ist sicher. Fraglich bleibt nur, welche Erklärung das Gericht liefert.

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          „Ich bitte Sie um ein gerechtes Urteil, für das sich niemand schämen muss“. Gustl Mollath erinnerte in dem „letzten Wort“, das ihm als Angeklagter zusteht, noch einmal daran, dass es in dem Wiederaufnahmeverfahren nicht nur darum geht, die Geschehnisse aus den Jahren 2001 bis 2005 zu rekonstruieren. In Regensburg kämpft die bayerische Justiz um ihren Ruf. Es war am Freitagabend nach einem über zwölf Stunden dauernden Verhandlungstag, als Mollath berichtete, welches Unrecht ihm widerfahren sei: Von Polizeibeamten sei er misshandelt worden, schlimmer als einen Tanzbären habe man ihn vorgeführt. Dabei habe er keine Straftaten begangen. Vielmehr habe seine Frau, die „kein kleines Hascherl“ sei, ihre Fähigkeiten genutzt, um ihn fertigzumachen. Mehr als sieben Jahre habe er daraufhin in der Psychiatrie verbracht. „Gestandene Knackis winselten um einen Platz im Gefängnis.“

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Schon vor der morgigen Urteilsverkündung ist sicher: Das Landgericht Regensburg wird Gustl Mollath freisprechen. Er wird auch nicht in der Psychiatrie untergebracht werden. So lauteten übereinstimmend die Plädoyers von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Doch mit Spannung wird erwartet, welcher Begründung sich das Gericht anschließt: Hält es den Vorwurf, Mollath habe seine Frau verletzt, eingesperrt und die Reifen ihres Autos zerstochen, für nicht bewiesen? Oder erfolgt der Freispruch allein aus Rechtsgründen? Das sogenannte Verschlechterungsverbot im Strafprozess verbietet, dass das Urteil aus dem ersten Prozess zum Nachteil des Angeklagten geändert wird.

          Staatsanwalt Wolfhard Meindl hielt Mollath in seinem Plädoyer in allen drei Anklagepunkten – gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung in sieben Fällen – für schuldig. Er sehe zum Zeitpunkt der Taten auch keinen Hinweis auf wahnhafte Störungen: „Der Angeklagte weiß und wusste Recht von Unrecht zu unterscheiden.“ Eine eventuelle Krankheit mochte sich später entwickelt haben. Meindl zeigte sich überzeugt, dass Mollath seine Frau geschlagen, gewürgt und gebissen habe. Es sei abwegig, dass Petra Mollath sich ihre Verletzungen durch einen plötzlichen Sprung aus dem Auto zugezogen habe. Das hatte der Angeklagte angeführt. Bei einem solchen Sprung könne sie aber kaum „gewürgt“ und „gebissen“ worden sein, so der Oberstaatsanwalt. 

          Zwar stehe die Aussage Mollaths gegen die seiner früheren Frau. Meindl hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass diese ihre Version erfunden habe. Zudem hätten mehrere Zeugen dies unabhängig voneinander bestätigt. Dass Petra Mollath einen „Vernichtungsfeldzug“ gegen Mollath geführt habe, sei eine „Komplotthypothese“.

          Die „Komplotthypothese“ als Strategie

          Was Meindl als „Komplotthypothese“ bezeichnete, war die Strategie von Mollaths Verteidiger Gerhardt Strate in seinem Plädoyer. Er konzentrierte sich darauf zu belegen, dass Mollaths frühere Ehefrau als Zeugin untauglich sei. Ihr Motiv sei gewesen, dass Mollath über die Schwarzgeldgeschäfte seiner Frau schweigen solle. Dass sie eine „Lügnerin“ sei, könne man daran erkennen, dass sie die angebliche Misshandlung jedes Mal anders geschildert habe: Einmal will sie mit der flachen Hand geschlagen worden sein, dann mit Fäusten, einmal lag sie mit dem Rücken auf dem Boden, dann wieder auf dem Bauch. Auch die Lebensgefährtin ihres Bruders, die Meindl für eine wichtige Zeugin hält, habe sich widersprüchlich geäußert.

          Behutsam und mit Geduld führte die Vorsitzende Richterin Elke Escher den Prozess
          Behutsam und mit Geduld führte die Vorsitzende Richterin Elke Escher den Prozess : Bild: dpa

          Unabhängig davon, wem das Gericht folgt – oder ob es eine ganz andere Version vertritt, denn es ist nicht an die Anträge von Verteidigung und Anklage gebunden, der Verlauf des Verfahrens hat schon ein wenig zur Rehabilitation der bayrischen Justiz beigetragen: Allein das Plädoyer des Oberstaatsanwalts am vergangenen Freitag hatte schon länger gedauert als im Ausgangsverfahren im Jahr 2006 die gesamte Hauptverhandlung vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Die Vorsitzende Richterin Elke Escher in Regensburg hat sich insgesamt fünfzehn Verhandlungstage Zeit genommen. Geduldig und sanftmütig hat sie dem Angeklagten auch mehrfach zu erklären versucht, was die Aufgabe des Wiederaufnahmeverfahrens ist – und was nicht.

          Die Anwälte Gerhard Strate (links) und Johannes Rauwaldt hatten es nicht leicht mit ihrem Mandanten
          Die Anwälte Gerhard Strate (links) und Johannes Rauwaldt hatten es nicht leicht mit ihrem Mandanten : Bild: dpa

          Verteidiger Strate äußerte sich am Wochenende in einem Blog zuversichtlich mit Blick auf das Urteil: „Die Eule der Minerva wird am Donnerstag ihren Flug beenden.“ Doch ihm ist anzumerken, wie sehr ihn der Prozess und die ständige Kritik vonseiten seines Mandanten anstrengt. Mollath hatte wiederholt öffentlich geäußert, dass er sich nicht gut verteidigt fühle. In einer Fernsehsendung hatte er kürzlich sogar davon gesprochen, dass seine Verteidiger „jetzt hier einen schnellen Prozess haben“ wollten und „ich natürlich auf der Strecke“ bliebe „und die Wahrheit allemal“. Am vergangenen Freitag dann hatte Mollath sich in seinen Schlussworten noch beim „lieben Herrn Dr. Strate und dem lieben Herrn Rauwald“ bedankt. In seinem Blog-Eintrag vom Wochenende kündigte Strate aber an: „Ich werde mich dann aus allen weiteren Aktivitäten in dieser Sache zurückziehen.“

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