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Mohammed-Video : Neonfische für Deutschland

  • -Aktualisiert am

Kein Schwarm: Es waren mal zehn, nun sind es noch neun. Bild: Prisma Bildagentur

Manfred Rouhs und Lars Seidensticker sind „pro Deutschland“. Sie wollen in Berlin das Mohammed-Video „Unschuld der Muslime“ zeigen und wurden dafür auf die Todesliste gesetzt. Ein Besuch.

          6 Min.

          Berlin. Im Leben von Manfred Rouhs gibt es zwei Dinge, die wichtig sind: Politik und Fische. In seinem Büro blubbert der Filter eines 500-Liter-Aquariums. Die Unterwasserlandschaft ist säuberlich angelegt und bepflanzt, aber bis jetzt hat er nur ein paar Antennenwelse und zehn Neonfische angeschafft. „Einer ist mir in der Nacht nach dem Einsetzen gestorben, nun sind es nur noch neun.“ Ein richtiger Schwarm ist das noch nicht.

          Aber Rouhs hat große Pläne, mit den Fischen und in der Politik. Dabei meidet er das Wort „Politiker“. Denn das sind die anderen, die „Etablierten“, die, von denen die Leute die Nase voll haben. Zu denen gehört Rouhs nicht, obwohl er schon seit mehr als dreißig Jahren dabei ist, immer am rechten Rand, immer ein Außenseiter. Von den „Jungen Nationaldemokraten“ über die NPD bis zu den Republikanern führte sein Weg, jetzt ist er Vorsitzender der „Bürgerbewegung pro Deutschland“. Das Haar ist dem 47 Jahre alten Rouhs darüber grau geworden.

          Manfred Rouhs kommt aus Krefeld, im Westen von Westdeutschland, wo man, wie er sagt, in den achtziger Jahren nichts mehr mit der Wiedervereinigung am Hut hatte. Er wollte dafür kämpfen. Deshalb verließ er die Junge Union, in die er mit 14 eingetreten war, und ging zur NPD. Jetzt sitzt Rouhs in einem Büro östlich der Allee der Kosmonauten in Berlin- Marzahn, wo die deutsche Hauptstadt so aussieht wie die Vororte von Moskau.

          Mit einem Schlag weltweit bekannt

          „pro Deutschland“ ist hier, weil die Mieten niedrig sind und die Wahlergebnisse doppelt so hoch wie im Berliner Durchschnitt. Zuletzt verlief die Senatswahl in Berlin „sehr enttäuschend“. „pro Deutschland“ holte 1,2 Prozent. Auch die letzte Kundgebung Mitte August blieb hinter den Erwartungen zurück. Dabei hatten sie sich etwas ausgedacht, was schon im Vorfeld für Aufregung sorgte: Sie stellten sich vor Berliner Moscheen und hielten die Mohammed-Karikaturen hoch. Es kamen nur zwei Dutzend Teilnehmer.

          Doch seit der vergangenen Woche ist „pro Deutschland“ mit einem Schlag bundesweit bekannt. Sogar weltweit. Denn Rouhs hat angekündigt, den Film „Unschuld der Muslime“ in Berlin zu zeigen. Zur Filmvorführung, die für November geplant ist, lud Rouhs den islamfeindlichen Prediger Terry Jones ein. Doch der bekam Einreiseverbot. Der Film und Jones waren nicht Rouhs Idee, sondern die von Lars Seidensticker, dem Geschäftsführer von „pro Deutschland“.

          Rouhs und Seidensticker sind „pro Deutschland“. Rouhs ist der Kopf, der Vordenker, der argumentieren und reden kann. Ein Mann, der mit Krawatte zu Kundgebungen erscheint und von sich selbst als „meine Wenigkeit“ spricht. Seit dreißig Jahren sucht Rouhs einen Platz zwischen dem rechten Rand der Union und der rechtsextremen Szene. Aus der NPD - „das sind echte Nazis“ - wurde er in den achtziger Jahren ausgeschlossen. Nazi-Symbole, NS-Apologetik, Springerstiefel - das ist alles nicht seins.

          Der Sportliche: Seidensticker bei einer Anti-Islam-Demonstration

          Aber in seinem Bücherregal stehen zwei Bände über „Die Germanen“ und das „Handbuch zur deutschen Nation“. Rouhs spricht ohne Schaum vor dem Mund, aber auch ohne Charisma, eine ganz und gar unauffällige, etwas übergewichtige Erscheinung mit Jeans, Hemd und einer Brille mit durchsichtigem Plastikgestell. Wenn sie Plakate an Laternenmästen aufhängen, ist Rouhs der, der unten die Leiter hält. Er ist nicht schwindelfrei.

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