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Möglicher Bundesminister Dobrindt : Die Nebenrolle seines Lebens

  • -Aktualisiert am

Auf dem Sprung: Alexander Dobrindt Bild: dpa

In der CSU-Produktion „Alexander Dobrindt“ spielt Seehofer den wichtigsten Part. Sein Generalsekretär ist ein Berufspolitiker, der im Dienste der Partei in verschiedene Rollen schlüpft. Ein Porträt.

          4 Min.

          Unterhaltsame Zeiten stehen den Fans der CSU-Serie „Alexander Dobrindt“ bevor. Schon in den vergangenen Jahren wurde die Rolle des Generalsekretärs häufig umgearbeitet; aus einem fülligen Peißenberger Schützenkönig wurde ein schmaler Stadtneurotiker mit schwarzer Nerdbrille. Mal gab er den leisen Plauderer, mal den angriffslustigen Zuspitzer, mal den einsilbigen Lächler. Jetzt dürften Texte, Mienenspiel und Outfit wieder neu gefasst werden, soll Dobrindt doch als Minister ins Kabinett Merkel. Das bringt Herausforderungen mit sich – für Darsteller und Publikum.

          Unvergessen ist das Debakel, als Dobrindt in einer Episode mit Erwin Pelzig alias Frank-Markus Barwasser konfrontiert wurde. Der Kabarettist rückte dem CSU-Generalsekretär – verbal – so nahe, dass Dobrindt seinen Text komplett zu vergessen schien. Der stumme Dobrindt musste sich schließlich von Pelzig anhören, notfalls könne der Kabarettist die Sendezeit auch alleine bestreiten. Es war eine televisionäre Exekution, bei der schwächere Naturen „Alexander Dobrindt“ aus dem Programm genommen oder aus Dobrindt den Inhaber eines Tretbootverleihs am Ammersee gemacht hätten.

          Es gab dennoch weitere Folgen mit Dobrindt in der Rolle des CSU-Generalsekretärs. In der CSU-Landesleitung fanden sich immer wieder herrliche Formulierungen für ihn, etwa als er den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, als „Falschmünzer“ bezeichnete. Oder als er sich über die „Linkskommunisten“, vormals PDS, vormals SED, hermachte. Allerdings trug Dobrindt solche Sätze meist vor, als spreche er vor einer Schulklasse über die tägliche Zahnpflege. Die Regeln des Genres, dass nämlich Generalsekretäre der Parteien auf Krawall gebürstet sein müssen, sobald eine Fernsehkamera am Horizont auftaucht, befolgte er – mehr aber auch nicht.

          Der verlängerte Zeigefinger in Berlin

          So gesehen könnte der Wandel vom Generalsekretär zum Bundesminister für Dobrindt eine Arbeitserleichterung sein. Ob er nun „Minister für Bananen und Kartoffeln“ – so definierte Horst Seehofer hellsichtig das Amt des Bundeslandwirtschaftsministers, als er dort Warteschleifen drehte – oder „Minister für Ausländermaut“ wird, sprich das Verkehrsressort übernimmt: Beides sollte für ihn zu bewältigen sein. Er wird keine allzu lange Zeit benötigen, um ohne Atemnot Wortschläuche wie „nichtinländische Kraftfahrzeughalter“ oder „Nichtanwendung des Äquivalenzprinzips“ aufzublasen.

          Schwieriger könnte sein, dass in der Serie „Alexander Dobrindt“ die Hauptrolle gar nicht mit Dobrindt, sondern mit Seehofer besetzt ist. Und Seehofer ändert seine Texte immer wieder ohne große Abstimmung – ja, er scheint sogar ein gewisses Vergnügen zu empfinden, wenn Mitspieler noch am alten Rollenbuch kleben und vergeblich auf ihren Einsatz warten. Seehofer ist es ein Leichtes gewesen, die Wehrpflicht zu preisen, die ein Markenkern der CSU sei – und einen Atemzug später für eine Berufsarmee zu werben.

          Alexander Dobrindt, mit Nerd-Brille
          Alexander Dobrindt, mit Nerd-Brille : Bild: Nina Simon

          Für Dobrindt könnte das „work in progress“, als das Seehofer Politik versteht, auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Generalsekretärs seine Tücken haben. Nicht wenige in der CSU erwarten, dass Seehofer ihn als verlängerten Zeigefinger in Berlin haben will, der Peter Ramsauer, Hans-Peter Friedrich und anderen mittleren Begabungen der Partei, wenn sie wieder einmal einen inszenatorischen Einfall aus München nicht verstanden haben und orientierungslos über die Berliner Bühne stolpern, die Richtung weist. Und der aufpasst, dass die Berliner CSU-Truppe nicht Texte aufsagt, die Seehofer längst schon in den Schredder gesteckt hat.

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