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Modellauto-Affäre : Weitere Strafanzeige gegen Haderthauer

  • Aktualisiert am

Weist die Vorwürfe zurück: Bayerns Staatskanzleiministerin Christine Haderthauer (CSU) Bild: dpa

Der wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Roland S. fühlt sich seinem Anwalt zufolge ausgenutzt und will nun auch Strafanzeige gegen das Ehepaar Haderthauer stellen. Deren Firma soll für seine in Haft erstellten Modellautos mehr als 2, 6 Millionen erlöst haben.

          In der sogenannten Modellauto-Affäre wächst der Druck auf Bayerns Staatskanzleiministerin Christine Haderthauer (CSU). Auch der wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Modellauto-Bauer Roland S., der sich bis heute in Sicherungsverwahrung befindet, wolle Strafanzeige erstatten, berichtet die „Bild“-Zeitung. „Mein Mandat fühlt sich von dem Ehepaar Haderthauer ausgenutzt. Deshalb wollen wir Strafanzeige stellen“, sagte der Rechtsanwalt Adam Ahmed, der S. vertritt.

          Der gelernte Bauschlosser hat nach Zeitungsinformationen bis zu 130 Modellautos gebaut, die das Ehepaar Haderthauer über seine Firma Sapor Modelltechnik für insgesamt mehr als 2, 6 Millionen Euro weiterverkauft oder versteigert haben sollen. Der Häftling habe für seine Arbeit demnach nur 200 Euro pro Monat erhalten und werfe Hubert Haderthauer vor, die von ihm gefertigten Modellautos als von ihm selbst hergestellte Modelle ausgegeben zu haben.

          Immunität aufgehoben

          Die Staatsanwaltschaft München II kann ihr Ermittlungsverfahren gegen Christine Haderthauer nun formell eröffnen. Dies hatte ein Behördensprecher am Donnerstag mitgeteilt. Demnach ließ Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) eine 48-Stunden-Frist verstreichen, in der sie dem Parlament die Entscheidung über ein Verfahren hätte vorlegen und so den Beginn von Ermittlungen hätte verzögern können. Nähere Informationen wird die Staatsanwaltschaft voraussichtlich erst am Freitag geben.

          Die Behörde ermittelt wegen eines Betrugsvorwurfs gegen die Staatskanzleichefin. Den Vorwurf hat ein ehemaliger Miteigentümer der Firma Sapor Modelltechnik gegen Haderthauer und deren Ehemann erhoben. Das Ehepaar Haderthauer soll ihren früheren Kompagnon bei dessen Ausstieg über die Erlöse aus dem Verkauf der hochwertigen Modellfahrzeugen falsch informiert haben. Die Fahrzeuge wurden von psychisch kranken Straftätern im Rahmen einer Therapie gefertigt.

          Die „Süddeutsche Zeitung“  berichtete am Donnerstag, Haderthauer habe noch 2008 und damit fünf Jahre nach ihrem Ausstieg bei der Firma zwei Überweisungen über insgesamt 5500 Euro von Sapor Modelltechnik erhalten.

          „Alte Vorwürfe von vorgestern“

          Haderthauer erklärte, es handle sich um eine zunächst von ihrem Konto ausgelegte Zahlung an eine PR-Firma, die ihr dann vom Geschäftskonto der Sapor Modelltechnik erstattet worden sei. „Dies ist ein alltäglicher Vorgang, der in jedem Kleinunternehmen mal vorkommt.“

          Auf ihrer Facebook-Seite schrieb sie, es handle sich um „alte Vorwürfe von vorgestern“, die ihr Anwalt bereits gegenüber den Ermittlern widerlegt habe. Leider seien Journalisten immer nur im Besitz der Teile der Ermittlungsakte, die die Vorwürfe enthalten und nicht den Rest. „Ich nehme an, dass ich bald beantragen sollte, die Ermittlungsakte komplett online zu stellen, da bin ich besser dran, da sind dann nämlich auch die Anwaltsschreiben einzusehen.“

          Die Frage, wie lange und wie intensiv Haderthauer an den Geschäften der Firma beteiligt war, ist politisch relevant. Auf eine parlamentarische Anfrage der Opposition hatte sie im vergangenen Jahr angegeben, dass sie seit dem Jahr 2003 nicht mehr Teilhaberin der Firma gewesen sei.

          Die damalige CSU-Generalsekretärin und ihr Ehemann Hubert Haderthauer bei den Bayreuther Festspielen im Juli 2008

          Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sein Festhalten an der Ministerin trotz des drohenden Ermittlungsverfahrens auch damit begründet, dass die Vorwürfe gegen Haderthauer nichts mit dem Regierungshandeln zu tun hätten. Haderthauer war Ende 2008 erstmals ins bayerische Kabinett eingezogen.

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