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Mobbing, Pöbeleien, Aggression : So brutal kann Politik sein

Da war noch alles in Ordnung: 1998 applaudiert der damalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine Gerhard Schröder bei einer Wahlkampfveranstaltung. Bild: dpa

Die schonungslosen Attacken auf Andrea Nahles waren nichts Neues in der SPD. Tricksereien, üble Nachrede und Aggressionen gibt es aber in allen Parteien. Politik war schon immer ein brutales Geschäft.

          5 Min.

          Dietmar Bartsch reagierte am Sonntag als erster auf den Rücktritt von Andrea Nahles. „So brutal darf Politik nicht sein“, schrieb der Linken-Fraktionsvorsitzende. Und setzte damit den Ton für eine Debatte. Seitdem wird behauptet, die Politik in Deutschland sei härter und erbarmungsloser geworden, das Beispiel Nahles zeige das. Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert bedauerte den unsolidarischen Umgang mit der gescheiterten Partei- und Fraktionschefin der SPD und sagte, dass er sich dafür schäme. Der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber, selbst einst aus dem Amt gedrängt, klagte darüber, dass der Erwartungsdruck in der Politik heute „härter als im Profisport“ sei. Kennt die Politik tatsächlich immer weniger Gnade?

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Umgang mit Andrea Nahles deutet darauf hin. Öffentlich äußerten Genossen, ihre Vorsitzende sei ihnen peinlich. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach ihr die Kompetenz ab („Amateurfehler“), ihr Amtsvorgänger Sigmar Gabriel legte ihr den Rücktritt nahe. Auch ätzende Bemerkungen zu ihrem Kleidungsstil gehörten dazu. Zuletzt kritisierten Abgeordnete der SPD-Fraktion Nahles so harsch, dass sie sich in einer ausweglosen Lage sah.

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