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Missbrauchsvorwürfe : Abruptes Karriereende eines CSU-Politikers

  • -Aktualisiert am

Einflussreich in Nürnberg: Der CSU-Abgeordnete Michael Brückner im Jahr 2013 Bild: dpa

In Nürnberg hatte das Wort Michael Brückners Gewicht. Die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen haben die politische Karriere des CSU-Landtagsabgeordneten nun schlagartig beendet.

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          In seiner Heimatstadt Nürnberg war Michael Brückner ein einflussreicher Mann. Im Internetauftritt des Bayerischen Landtags, dem der Gärtnermeister seit 2013 angehörte, waren zahlreiche Ämter aufgeführt – in der CSU, beim Bauernverband, bei den Nürnberger Gemüsebauern. Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Nürnberg-Nord, Vorsitzender des Gemüseerzeugerverbands Knoblauchsland, Mitglied des Präsidiums des Bayerischen Bauernverbands: Brückners Wort hatte Gewicht. Zehn Jahre lang war er ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Nürnberg; dem Gefängnisbeirat der Justizvollzugsanstalt Nürnberg diente er als Vorsitzender.

          Wenig erstaunlich, dass ein Beben durch Nürnberg ging, als Brückner überraschend den Verzicht auf alle seine Ämter erklärte –aus „privaten Gründen“. Es dauert nicht lange, bis publik wurde, was sich hinter den privaten Gründen verbirgt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Brückner wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Eine Erklärung, die eine Anwältin Brückners am Mittwoch abgab, zeigte aber, dass der 51 Jahre alte Brückner, der verheiratet ist und drei Kinder hat, keine andere Möglichkeit hatte, als eilends seine Ämter  niederzulegen.

          Einvernehmliche sexuelle Handlungen

          Brückner würden zwei einvernehmliche sexuelle Handlungen mit einer Jugendlichen gegen Entgelt vorgeworfen, teilte die Anwältin mit. In den Kontakt mit dem Mädchen sei der Politiker über öffentliche Inserate gekommen, die das Mädchen aufgegeben habe. Eine erste Begegnung hat nach dieser Darstellung einen Tag vor dem sechzehnten Geburtstag der Jugendlichen stattgefunden. Bei einem zweiten Treffen sei es dann zum Geschlechtsverkehr gekommen. Ob und in welcher Höhe Brückner Geld an das Mädchen bezahlte, dazu werden in der Erklärung der Anwältin keine Angaben gemacht.

          Es ist ein zentraler Punkt: Nach dem deutschen Strafrecht liegt ein sexueller Missbrauch von Jugendlichen vor, wenn gegen Entgelt sexuelle Handlungen bei einem Opfer vorgenommen werden, das jünger als achtzehn Jahre ist. Unabhängig von der rechtlichen Bewertung und einer möglichen Sanktionierung – durch einen Strafbefehl oder durch ein Urteil nach einer Hauptverhandlung – ist  Brückner in jedem Fall am Ende seiner politischen Karriere angekommen. Wer ihm in den Landtag nachfolgt, steht schon fest – und auch über die Nachfolge in seinen Partei- und Verbandsämtern wird schon gesprochen.

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