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Missbrauchsskandal : UN kritisieren Verhalten des Vatikan

  • Aktualisiert am

Schweigsam Bild: dpa

Die UN haben das Verhalten des Vatikan im Missbrauchsskandal kritisiert. Dieser hatte es abgelehnt, dem Ausschuss für Kinderrechte auf Fragen zu antworten. Rom wehrt sich gegen die Vorwürfe.

          Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat das Verhalten des Vatikans in dem Missbrauchsskandal kritisiert, der seit Jahren die katholische Kirche erschüttert. Die Expertin Sara Oviedo forderte bei einer Anhörung am Donnerstag in Genf, dass der Vatikan mehr Informationen über die getroffenen Maßnahmen zur Prävention von Kindesmissbrauch gibt. „Welche Änderungen beim Verhaltenskodex wurden getroffen, um sexuellen Missbrauch zu verhindern? Welche Strafen wurden gegen Priester verhängt, deren Verhalten unangemessen war?“, fragte Oviedo.

          Der Vatikan hatte es im Dezember abgelehnt, dem UN-Ausschuss auf im Juli übermittelte Fragen zu antworten, in welchen Missbrauchsfällen die Glaubenskongregation des Vatikan derzeit ermittelt. Insgesamt wurden von den Diözesen in den vergangenen Jahren rund 4000 Fälle an die Glaubenskongregation weitergeleitet. Kritiker werfen dem Vatikan vor, mit seinem Schweigen die Missbrauchsvorwürfe gegen Kirchenmitarbeiter vertuschen zu wollen, doch der Vatikan erklärt, dadurch Zeugen und Opfer schützen zu wollen.

          Der Papstsprecher Federico Lombardi sagte am Donnerstag dem Sender Radio Vatikan, es sei zwischen staatlichem Recht und dem Kirchenrecht zu unterscheiden. Der Vatikan sei gemäß der von ihm ratifizierten UN-Kinderrechtskonvention nicht gehalten, auf Anfragen zu Ermittlungen auf der Grundlage des Kirchenrechts zu antworten. Vorwürfe, die Kirche wolle die Ermittlungen der Justiz beeinflussen oder behindern, wies Lombardi zurück. Auch der Vertreter des Vatikans bei der UN in Genf, Silvano Tomasi, wehrte sich gegen die Vorwürfe.

          „Der Heilige Stuhl unterstützt das Recht und die Pflicht jedes Staates, die Verbrechen gegen Minderjährige zu bestrafen. Die Kritik, dass er sich einmischt und dem widersetzt, ist nicht haltbar. Im Gegenteil, wir wollen, dass Transparenz hergestellt wird und die Justiz ihren Gang geht“, sagte Tomasi Radio Vatikan. Zu Beginn der Anhörung in Genf hatte er bereits versichert, die katholische Kirche wolle „ein Beispiel guter Führung“ werden. Er betonte, dass der Heilige Stuhl infolge des Missbrauchsskandals mehrere Anweisungen für die Landeskirchen formuliert habe.

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