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Missbrauch im Erzbistum Köln : „Nichts geahnt“ – das gibt es jetzt nicht mehr

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki nimmt am 18. März 2021 das Missbrauchsgutachten in Empfang. Bild: AFP

Der frühere Kölner Kardinal Meisner hatte behauptet, „nichts geahnt“ zu haben vom Ausmaß sexuellen Missbrauchs in seinem Erzbistum. Das Missbrauchsgutachten widerlegt die Aussage von Woelkis Vorgänger.

          5 Min.

          Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sitzt in der ersten Reihe. Auf dem Podium unmittelbar vor ihm der Kölner Strafrechtler Gercke und dessen Kollegin Stirner. Er mit weitschweifigen, von gönnerhaften Gesten untermalten Erläuterungen über Methodik des neuen Missbrauchsgutachtens, sie konzentriert einzelne Befunde vortragend, so vergeht fast eine Stunde, ehe es alle hören, was der Kardinal schon längst weiß – und, was Gercke ausdrücklich hervorhebt, auch schon in dem von Woelki zurückgehaltenen ersten Missbrauchsgutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl hätte lesen können: Er, der Kardinal von Köln, hat sich keine Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen zuschulden kommen lassen.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Dass seriöse Kirchenrechtler dies im Fall des mit Woelki befreundeten Priesters O. anders sähen – bitte sehr, sie kennten die Akten nicht, doziert Gercke. Frau Stirner sekundiert: Als Woelki 2015 mit dem Fall befasst worden sei, habe sich der Beschuldigte in einem Zustand befunden, den man im weltlichen Recht mit „verhandlungsunfähig“ bezeichnet hätte. Doch taugt dies zur Begründung, dass Woelki wie so viele andere auch es unterlassen hatte, den Fall als solchen bei der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre anzuzeigen? Die einschlägige Bestimmung der Kirchenrechts gibt das nicht her. Aber jetzt hat es Woelki zumindest von diesen Gutachtern offiziell.

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