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Missbrauch von Minderjährigen : Gutachten sieht 61 Kleriker als schuldig an

Peter-Andreas Brand (links) und Sabine Wildfeuer, Anwälte der Kanzlei Redeker Sellner Dahs, stellen bei einer Pressekonferenz in Anwesenheit von Erzbischof Heiner Koch (Mitte), Bischof des Erzbistums Berlin, am Freitag in der Hauptstadt ein Gutachten zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche vor. Bild: dpa

Die vom Erzbistum Berlin beauftragten Juristen benennen 61 Beschuldigte und 121 Betroffene. Im Erzbistum Köln wächst derweil mit dem Unmut über die Blockade eines entsprechenden Gutachtens die Zahl der Kirchenaustritte.

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          In den Akten des Erzbistums Berlin finden sich ausweislich eines am Freitag vorgestellten Gutachtens Hinweise auf 61 Kleriker, die sich sexueller Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen schuldig gemacht haben. Die fraglichen Akten, die der Kanzlei Redeker Sellner Dahs ab November 2018 zur Verfügung gestellt worden sind, umfassen den Zeitraum von 1946 bis 2020. Den 61 Beschuldigten sind nach Aktenlage 121 Betroffene zuzuordnen.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Nicht eingerechnet in diese Zahl sind die Jugendlichen, die am Canisius-Kolleg der Jesuiten in Berlin Opfer sexueller Gewalt wurden. Deren Fälle sind im Erzbistum nicht aktenkundig – und nur das, was in Akten zu lesen ist, war Gegenstand des Mandats, das das Erzbistum der Kanzlei erteilt hat.

          Die Juristen ließen kaum ein gutes Haar an den Akten selbst wie auch an der Aktenführung. Die Bewertungen lauteten von „teilweise offenkundig unvollständig“ bis „bewusste Verwendung sprachlicher Ungenauigkeiten“. Zudem hätten die Akten die bistumsinterne Kommunikation über Personalangelegenheiten nicht abgebildet, so sie überhaupt stattgefunden habe. Dem Befund der Juristen zufolge war sie bis zum Jahr 2012 „zwischen den verantwortlichen Funktionsträgern nicht gewährleistet“. Diese wiederum folgten sogar ausweislich der Akten nur selten einschlägigen kirchenrechtlichen Bestimmungen für die Ahndung sexueller Gewalt durch Kleriker. Eine Zuordnung von Pflichtverletzungen dieser oder jener Art zu einzelnen Amts- und Funktionsträgern nahmen die Juristen mit der Begründung nicht vor, sie seien „Gutachter, nicht Richter“.

          Wegen Blockade von Missbrauchsgutachten in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki (rechts), Erzbischof von Köln, hier mit Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg, im Mai 2018 vor dem Schloss in Münster
          Wegen Blockade von Missbrauchsgutachten in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki (rechts), Erzbischof von Köln, hier mit Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg, im Mai 2018 vor dem Schloss in Münster : Bild: dpa

          Daher ist es auf Basis der veröffentlichten Teile des Gutachtens – große Teile blieben unter Verschluss – weder möglich, die systemischen Defizite oder persönlichen Versäumnisse etwa der verstorbenen Berliner Erzbischöfe Alfred Bengsch und Joachim Meisner zu beurteilen, noch die mutmaßlichen Veränderungen wie die fortbestehenden Defizite in der jüngeren Vergangenheit, etwa während der Amtszeit des heutigen Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki.

          Diese Aufgabe soll nach den Worten des Berliner Generalvikars Manfred Kollig nun eine sechsköpfige Kommission lösen. Kollig beteuerte, er habe gegen die Nennung der Namen von Verantwortlichen keine Bedenken, sollten diese sich Pflichtverletzungen schuldig gemacht haben.

          Am Rhein schlagen derweil die Wogen der Empörung über die Weigerung der Bistumsleitung immer höher, ein Gutachten über sexuelle Gewalt im Erzbistum zu veröffentlichen. Der Vorsitzende des Diözesanrates im Erzbistum Köln, Tim Kurzbach, sprach gegenüber der F.A.Z. von der „größten Kirchenkrise seit Menschengedenken“. Das Vertrauen in die Bistumsleitung und in deren Glaubwürdigkeit sei massiv erschüttert.

          In diesem Sinn haben sich laut einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ mehr als dreißig Priester gegenüber Kardinal Woelki positioniert. Um der Flut von Anträgen auf Kirchenaustritt Herr zu werden, hat allein das Amtsgericht Köln die Zahl der Termine von 160 auf 260 in der Woche erhöht.

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