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Missbrauchsfall Lügde : Abgründe im Idyll

Windspiele hängen an einem Gebäude auf dem Campingplatz „Eichwald“ in Lüdge. Bild: dpa

Am Landgericht Detmold beginnt am Donnerstag der Strafprozess gegen die drei mutmaßlichen Täter im Fall Lügde. Die Hintergründe offenbaren nicht nur monströse Verbrechen – sondern auch besonders krasses Behördenversagen.

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          Als die Ermittler Ende Januar erstmals vor die Presse traten, um vom massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde zu berichten, kommentierte die F.A.Z., es handle sich um einen „besonders monströsen Fall von Pädokriminalität“. Von diesem Donnerstag an müssen sich nun die drei mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Detmold verantworten. Was in der viele dutzend Seiten umfassenden Anklageschrift steht, ist in der Tat so abgrundtief furchtbar, dass sich die Wiedergabe von allzu vielen Details zum konkreten Tatgeschehen aus Gründen des Opferschutzes verbietet.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Im Zentrum der Ermittlungen stand von Beginn an der Dauercamper Andreas V., der seit vielen Jahren eine Parzelle auf dem idyllisch gelegenen Campingplatz „Eichwald“ in Lügde bewohnte. In seinen Holzverschlägen und Wohnwagen hat er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft im Sommer 1998 und zwischen Anfang 2008 und Ende 2018 23 Mädchen gequält und missbraucht, zehn von ihnen brutal vergewaltigt. Besonders ausdauernd soll sich der Mann an seiner Pflegetochter vergangen haben, die ihm das Jugendamt Hameln-Pyrmont 2017 im Alter von sechs Jahren auf Wunsch der offenbar überforderten Mutter anvertraut hatte. Mehr als 130 Mal hat Andreas V. allein dieses Kind laut Anklage missbraucht. Zugleich diente das Mädchen dem auf dem Campingplatz als überaus kinderlieb geltende Mann als Lockvogel für weitere Opfer. Mit Ausflügen und Geschenken gelang es V. die Kinder zu korrumpieren, mit Drohungen schüchterte er sie ein. Die Anklage wirft dem 56 Jahre alten Hartz-IV-Empfänger insgesamt 298 Straftaten vor. Da V. nach Erkenntnissen der Ermittler ein hochaktiver Serientäter war, ist nicht ausgeschlossen, dass er noch für zahlreiche weitere Sexualstraftaten verantwortlich ist. Für die Strafhöhe dürfte das allerdings nicht relevant sein. Und weil die Staatsanwaltschaft ihn als äußerst gefährlich einstuft, legt sie nahe, den Mann nach verbüßter Haft in Sicherungsverwahrung zu nehmen. In der Anklage wird Andreas V. als narzisstisch-dissoziale Persönlichkeit beschrieben.

          Zwei Angeklagten droht möglicherweise Sicherungsverwahrung

          Auch der 34 Jahre alte Mario S. war laut Anklage ein hochaktiver Pädokrimineller. Schon als Jugendlicher soll der aus Steinheim im Kreis Höxter stammende S. einen Jungen missbraucht haben, später soll er seine Opfer auch in den Partykeller seines Elternhauses gelockt haben. Auf dem Campingplatz in Lügde teilte S. sich zunächst einen Wohnwagen mit einem langjährigen Freund – dessen Enkelkinder er mehrfach missbraucht haben soll. Später mietete sich der alleinstehende Gelegenheitsarbeiter eine eigene Parzelle auf dem Platz. Die Staatsanwaltschaft wirft Mario S. vor, in insgesamt 162 Fällen acht Mädchen und neun Jungen zwischen 1999 und Anfang 2019 zum Teil schwer sexuell missbraucht zu haben. Ein psychiatrischer Gutachter soll S. ebenfalls hohe Rückfallgefahr bescheinigt haben. Auch für ihn steht im (aufgrund der erdrückenden Beweislage sehr wahrscheinlichen) Fall der Verurteilung das Thema anschließende Sicherungsverfahrung im Raum.

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