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Missbrauchsfälle : Merkel: Katholische Kirche klärt auf

  • Aktualisiert am

Bischof Zollitsch: Entsetzen bei der FDP Bild: dpa

Im Streit über die Aufklärung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hat sich Bundeskanzlerin Merkel hinter Bischof Zollitsch gestellt. Sie habe „keinen Zweifel daran, dass die Bischöfe die Opfer im Blick hätten“. Im Streit zwischen der FDP und Zollitsch sind die Wogen indes noch nicht geglättet.

          Im Streit über die Aufklärung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hat sich Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hinter den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, den Freiburger Erzbischof Zollitsch, gestellt. Nach einem Telefonat der Bundeskanzlerin mit Zollitsch erklärte Regierungssprecher Wilhelm am Mittwoch, Frau Merkel habe „keinen Zweifel daran, dass die Bischöfe die Opfer im Blick hätten“. Sie begrüße es, dass es ein Gespräch zwischen der Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Zollitsch geben werde. Jetzt müsse man gemeinsam nach vorn zu schauen, um zu gewährleisten, dass Missbrauchsfälle künftig verhindert werden, sagte Wilhelm.

          Frau Leutheusser-Schnarrenberger hatte gesagt, die katholische Kirche erwecke bislang nicht den Eindruck, dass sie bei allen Verdachtsfällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern mit den Strafverfolgungsbehörden konstruktiv zusammenarbeiten wolle. Zollitsch hatte daraufhin binnen 24 Stunden eine Entschuldigung verlangt.

          FDP-Fraktionschefin Homburger legt nach

          Die Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Homburger, hat sich „entsetzt“ über den Umgang der katholischen Kirche mit den Fällen von sexuellem Missbrauch in eigenen Einrichtungen geäußert. „Zum Thema Aufklärung stelle ich mir etwas anderes vor“, sagte sie am Mittwoch in Berlin.

          FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger:„Zum Thema Aufklärung stelle ich mir etwas anderes vor”

          Frau Homburger stellte sich mit Nachdruck hinter Frau Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die eine fehlende Zusammenarbeit der Kirche mit den Strafverfolgungsbehörden beklagt hatte. Das Ultimatum wies Frau Homburger als „unangemessene Reaktion“ zurück. „Die Diskussion gereicht der Justizministerin zur Ehre. Es ist die Pflicht einer Justizministerin, an dieser Stelle etwas zu sagen.“

          Leutheusser-Schnarrenberger gesprächsbereit

          Frau Leutheusser-Schnarrenberger versuchte unterdessen, den Streit zu entschärfen. Die Ministerin werde Zollitsch auf dessen Kritik zunächst in angemessener Form schriftlich antworten, stehe aber auch für ein Gespräch zur Verfügung, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch. Aus Sicht der Ministerin gehe es nicht um einen Schlagabtausch mit Zollitsch, sondern um mahnende Worte, wie die Kirche auch mit den Opfern ins Gespräch kommen könne.

          Im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen im Internat des oberbayerischen Benediktinerklosters Ettal ist Abt Barnabas Bögle mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Er komme damit „der dringenden Bitte“ der Erzdiözese München und Freising nach, teilte das Erzbischöfliche Ordinariat München am Mittwoch mit.

          Abt Barnabas übernehme die Verantwortung dafür, dass in der Abtei gegen die bischöflichen „Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche“ verstoßen worden sei. Die Leitlinien sähen bei Verdachtsfällen grundsätzlich eine Meldepflicht an den bischöflichen Beauftragten der Erzdiözese für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs vor. Dieser Meldepflicht sei das Kloster nicht nachgekommen. Die Benediktinerabtei habe Generalvikar Peter Beer am Mittwoch über den Regelverstoß in Kenntnis gesetzt. Beer habe den Abt daraufhin um seinen Rücktritt ersucht. Die Erzdiözese München und Freising sehe in dem Rücktritt „einen respektablen und richtigen Schritt“, hieß es. (ddp)

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