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Anti-Missbrauchsgipfel in Rom : Kardinal Marx fordert Ende der Vertuschung

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Kardinal Reinhard Marx während des viertägigen Anti-Missbrauchsgipfels der katholischen Kirche in Rom Bild: AP

Im Umgang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche mahnt der Münchner Erzbischof zu Offenheit und Transparenz. Auch mit Kritik an der kirchlichen Verwaltung spart Marx nicht.

          Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, fordert ein Ende der Geheimniskrämerei um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Beim Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan prangerte der Kardinal und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Samstag offen Vertuschung und Machtmissbrauch an: „Akten, die die furchtbaren Taten dokumentieren und Verantwortliche hätten nennen können, wurden vernichtet oder gar nicht erst erstellt.“ Nötig seien nun Fakten und Offenheit.

          Nicht Transparenz, sondern Taten und deren Vertuschung fügten der Kirche Schaden zu, betonte Marx vor Papst Franziskus und den anderen Teilnehmern des Spitzentreffens. „Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist zu einem nicht geringen Teil auf den Machtmissbrauch im Bereich der Verwaltung zurückzuführen.“ Die Verwaltung habe nicht dazu beigetragen, dass der Sendungsauftrag der Kirche erfüllt werde, sondern dass dieser „verdunkelt“ und unmöglich gemacht wurde.

          Sexueller Missbrauch durch Geistliche wurde in der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht vertuscht – auch in Deutschland. Aus der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie geht hervor, dass in einigen deutschen Bistümern Akten „mit Bezug auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger in früherer Zeit vernichtet worden waren“.

          Marx: Missbrauchsfälle fallen nicht unter päpstliches Geheimnis

          Immer wieder geraten auch hochrangige Kirchenvertreter in den Fokus, die Täter gedeckt haben sollen. „Transparenz bedeutet nicht die unkritische Annahme und die disziplinlose Verbreitung von Missbrauchsvorwürfen“, stellte Marx klar. Stattdessen sollten Vorwürfe geklärt und konkretisiert werden und die Öffentlichkeit, die Behörden und die römische Kurie zu gegebener Zeit darüber informiert werden. Es gebe keine Gründe, warum Missbrauchsfälle unter das päpstliche Geheimnis fallen sollten, sagte Marx.

          Insgesamt müsse die Kirche vier Maßnahmen ergreifen: Vertraulichkeit und Geheimhaltung neu definieren, ihr Rechtssystem öffentlichen Standards anpassen, Zahlen und Einzelheiten zu Missbrauchsfällen öffentlich melden und gerichtliche Verfahren veröffentlichen. Fakten könnten Vertrauen stiften, sagte Marx. „Institutionelles Misstrauen führt zu Verschwörungstheorien bezüglich einer Organisation und Legendenbildung über eine Organisation.“

          Der Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan endet an diesem Sonntag. Papst Franziskus hatte dazu die Chefs der 114 Bischofskonferenzen weltweit und Vertreter der römischen Kurie, von Orden und Religionsgemeinschaften eingeladen. Er will Wege finden, wie der lange vertuschte sexuelle Missbrauch von Kindern durch Geistliche künftig verhindert werden kann.

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