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Missbrauch von Kinderfotos : Das Netz der Bilder

Genügt ein Fotografierverbot auf Spielplätzen, um den Handel mit Kinderfotos einzudämmen? Bild: dpa

Nach der Edathy-Affäre will die Koalition gegen den Handel mit Kinderfotos vorgehen. Doch Fotografierverbote, wie etwa auf Spielplätzen, können nur ein Teil der Lösung sein. Viel wesentlicher ist eine Verbesserung des strafrechtlichen Schutzes.

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          Ein Junge, neun Jahre alt, tritt bei volkstümlichen Veranstaltungen in Süddeutschland auf größeren und kleineren Bühnen auf. Er trägt landesübliche Tracht, er singt, er ist offenkundig eine Begabung. Die Menschen in den Zelten und Sälen hören ihm gerne zu, applaudieren. Das geht nun schon im zweiten Jahr so. Immer öfter wird er bei seinen Auftritten von den Kameras der Medien gefilmt, aber natürlich auch von den Kameras des Publikums. Schließlich macht jedes Smartphone heute tolle Bilder und Filme.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Die Sache ist bis dahin nicht weiter erwähnenswert, eine harmlose Erfolgsgeschichte aus der Welt eines Kindes mit Begabung. Bis zu dem Moment, wo Bilder von dem Auftritt des Jungen mit einer einschlägigen Pädophilenseite im Internet verlinkt werden. Auf einen Schlag ist alle Harmlosigkeit dahin. Der geschilderte Fall ist erfunden. Aber es gibt vergleichbare Vorgänge. Das wirft ein kaltes Licht auf die Diskussion über den Missbrauch von Kinderbildern und damit von Kindern.

          Nicht nur Nacktaufnahmen werden verbreitet

          Der beginnt ja nicht erst mit Fotos oder Filmen, die in dunklen Kellern von Kriminellen gemacht werden, ausschließlich mit dem Zweck, sie auf einem weltweiten Markt zu verkaufen. Es geht nicht nur um Nacktbilder von Kindern, die sexuell missbraucht werden, hergestellt von der Pornoindustrie. Es geht überhaupt nicht nur um Nacktaufnahmen, sondern offenbar taugen auch Bilder angezogener Kinder zum Anregen bestimmter Phantasien. Doch das nur, um die Dimension zu beschreiben. Tatsächlich sind Nacktaufnahmen und deren Verbreitung das dominierende Problem. Solche Aufnahmen entstehen oft, ohne dass die Eltern, geschweige denn die Kinder selbst es merken.

          Was macht der Mann, der zehn Meter neben dem Babyplanschbecken im Freibad mit seinem Smartphone zugange ist? Liest er seine Mails? Spielt er ein Computerspiel? Oder dreht er einen Film? Häufig sind es auch Aufnahmen, die Eltern von ihren Kindern selbst machen, Schnappschüsse, die früher nur im Fotoalbum und damit im eigenen Wohnzimmer landeten, die aber heute Freunden geschickt, bei Facebook gepostet oder sonst wie im Internet verbreitet werden und dort schnell in die falschen Hände kommen können.

          Der Fall betrifft das Kunsturhebergesetz

          Der Politik, die das Problem erkannt hat, stellt sich nun die komplizierte Frage, welche rechtlichen Möglichkeiten zum Schutz des Kindes bestehen und wo etwas verbessert werden kann. Der eingangs geschilderte Fall betrifft – mindestens unter anderem – das Kunsturhebergesetz.  Das schreibt in seinem Paragraphen 22 vor, dass die Verbreitung oder die öffentliche Zurschaustellung von Bildern nur mit der Einwilligung des Abgebildeten erfolgen darf, sofern die Person erkennbar ist. Eine Veröffentlichung im Internet erfüllt nach Angaben des Bundesjustizministeriums „regelmäßig den Tatbestand des Zurschaustellens“.

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