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Missbrauch in katholischer Kirche : „Erschütternde Ergebnisse“

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann (M.): „Keine zufalls- oder überfallartige Taten“ Bild: dapd

Priester haben ihre sexuellen Übergriffe auf Minderjährige zumeist vorsätzlich geplant - und sich Opfer sogar gegenseitig zugeschoben. Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche, Bischof Ackermann, zeigt sich "entsetzt und beschämt". 

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          Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche in Deutschland, der Trierer Bischof Stefan Ackermann, hat den Willen bekräftigt, die wissenschaftlichen Bemühungen um Aufarbeitung der sexuellen Gewalt im Raum der Kirche „zeitnah und solide“ fortzusetzen. „Wir werden das Versprechen einlösen, das wir den Opfern gegeben haben“, sagte Ackermann am Donnerstag aus Anlass der Vorstellung des Abschlussberichts der Telefonhotline für Betroffene sexuellen Missbrauchs.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          In diesem Bericht, der im Internet unter www.hilfe-missbrauch.de für jedermann zugänglich ist, sind in weltweit einmaliger Weise mehr als 8400 Gespräche mit Opfern oder deren Vertrauenspersonen ausgewertet, die sich zwischen dem Frühjahr 2010 und Ende 2012 das Angebot der Bischöfe genutzt hatten, anonym von ihrem Schicksal zu berichten.

          „Geplante Gewalt“

          In drei Viertel der Fälle wurden dabei Funktionsträger aus dem kirchlichen Raum sexueller Gewalt bezichtigt, wobei das Gros der Taten viele Jahrzehnte zurückliegt. Zu jeder Zeit aber sei sexuelle Gewalt überwiegend „planvoll“ ausgeübt worden, und nicht spontan oder als Folge situativer Enthemmung. Allerdings, so der Fachverantwortliche für die Hotline, Andreas Zimmer, hatten die Meldungen der Betroffenen oder ihrer Angehörigen immer „Wirkung“ - zumal die wenigsten Kontakt mit Strafverfolgungsbehörden aufgenommen hätten und zumeist mehr als vier Jahrzehnte zwischen den Taten und dem Sprechen darüber lagen.

          Viele Opfer sexueller Gewalt gelangten durch die Hotline erstmals zu Einrichtungen, in denen die beraterische oder therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen konnten. Bemerkenswert hoch war unter den Anrufern der Anteil der Männer, denen als Kinder oder Jugendliche sexuelle Gewalt angetan worden war. Das liege zum einen daran, so Zimmer, dass es in kirchlichen Heimen oder Internaten immer weitaus mehr Knaben als Mädchen gegeben habe.

          Täter schoben sich Opfer gegenseitig zu

          Allerdings enthielten die Berichte der Opfer auch Hinweise auf männliche und auch weibliche Täter, die im Schutz von Institutionen oder Einrichtungen „standortübergreifend“ kooperiert hätten - will sagen, einander die zumeist schutzbedürftigen Opfer zugeführt hätten.

          Ihrer Struktur nach ließen sich die Delikte im Raum der Kirche vergleichen mit jenen, die im Umkreis der „helfenden Berufe“ typisch sein, sagte Zimmer. Allerdings trage die sexuelle Gewalt der Kirche auch spezifisch „katholische“ Züge. Täter hätten gezielt die moralische Autorität des Priesteramtes zunutze gemacht, die psychische Wirkung von Riten wie Beichte oder Gebet benutzt, um Macht über Kinder zu gewinnen - bis dahin, dass Minderjährigen vorgetäuscht wurden, die Übergriffe seien Ausdruck „liebender Verbundenheit in Christus oder Auserwählung vor Gott.“

          „Entsetzt und beschämt“

          Bischof Ackermann äußerte sich ob solcher „Perfidie“ entsetzt und beschämt. Die Ergebnisse seien durch nichts zu beschönigen, sagte der Bischof. Allerdings werde seitens der Kirche auch nichts beschönigt, was als Beweis der festen Absicht der Bischöfe genommen werden solle, sich einer „offenen wissenschaftlichen Aufarbeitung“ des Umfangs und der Ursachen sexueller Gewalt in der Kirche zu stellen und die Freiheit der Wissenschaft zu respektieren.

          Ackermann zeigte sich gewiss, das die Auswertungsergebnisse der Hotline in die bevorstehende Überprüfung der kirchlichen Schutzkonzepte sowie der Präventionsstrategien Eingang fänden. Über den „Neustart“ des kriminologischen Forschungsprojekts sagte Ackermann, es gebe noch keinen Zeitplan, aber Kontakte mit interessierten Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen. Zudem fange man nicht mehr am Nullpunkt an, sondern könne die datenschutz- und persönlichkeitsrechtliche Problematik besser ermessen. „Wir schieben nichts auf die lange Bank“ sagte Ackermann.

          Der Hannoveraner Kriminologe Christian Pfeiffer wiederholte unterdessen in mehreren Medien den Vorwurf, die Kirche hätte in seine Forschungen zensierend eingreifen wollen. Der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte der Kriminologe aber auch, er glaube, dass eine beachtliche Zahl von Bischöfen wirklich aufklären wolle und fuhr fort: „Unsere wissenschaftlichen Nachfolger werden also von diesem Kampf, den wir hier geführt haben, profitieren. Zensurregeln kann man ihnen nicht mehr zumuten.“

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