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Missbrauch in der Kirche : Das Problem ist größer als Woelki

Bischöfe analog: Früjahrs-Vollversammlung in Lingen im Jahr 2019. Bild: dpa

Bei Licht betrachtet hat keine Institution in Deutschland in den vergangenen Jahren auf dem Feld der Prävention so viel getan wie die katholische Kirche. Doch das reicht nicht.

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          Nein, es ist nicht richtig, den Fokus alleine auf den Erzbischof von Köln zu richten. Für die Lage, in der sich die katholische Kirche in Deutschland auf dem Missbrauchs-Feld befindet, tragen alle Bischöfe Verantwortung, wie Georg Bätzing als deren Vorsitzender am Donnerstag zu Recht befand. Doch wie sieht diese Lage aus?

          Bei Licht betrachtet hat keine Institution in Deutschland in den vergangenen Jahren auf dem Feld der Prävention so viel getan wie die katholische Kirche. Auch müsste sie sich vor einer staatlich mandatierten Wahrheitskommission mit umfassenden Vollmachten und Durchgriffsrechten kaum weniger fürchten als die evangelische Kirche, Sportverbände oder Kultusministerien.

          Im Jahr 2021 Sympathie für diese Idee zu zeigen, ist aber exakt elf Jahre zu spät. Unter Bätzings Vorgängern Zollitsch und Marx wurden alle Ansätze blockiert, die Aufarbeitung der Vergangenheit in den einzelnen Bistümern neutralen Gremien zu überantworten und Betroffenen mehr als nur die Rolle als Zeugen zuzubilligen.

          Niemand, ob „konservativ“ oder „liberal“, wollte sein eigenes Tun und Lassen wie das seiner Vorgänger einem unabhängigen Urteil aussetzen. 2018 war Woelki der erste, der aus der Phalanx der bischöflichen Vertuscher ausbrach. Inzwischen hat er sich in den Fallstricken verheddert, die diejenigen aufgespannt haben, denen er gefährlich wurde. Darin liegt seine persönliche Tragik. Die Fehlentscheidungen der Vergangenheit haben alle gemeinsam getroffen.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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