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Chronik der Aufarbeitung : Die Kirche, der Missbrauch und kein Ende in Sicht

„Die Kirche hat einen guten Magen“ (Goethe, Faust 1, Spaziergang, Mephistopheles) Bild: dpa

Seit 2002 treibt das Thema Missbrauch die katholische Kirche in Deutschland um – und nicht nur die Kirche. Eine Chronik.

          51 Min.

          Das Jahr 2002

          April: Unter dem Druck der Enthüllungen über sexuelle Gewalt durch Geistliche in Irland und den Vereinigten Staaten, die viele Jahre später im Spielfilm „Spotlight“ nachgezeichnet werden, beraten die katholischen Bischöfe in Deutschland erstmals über das Thema Missbrauch. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, ist davon überzeugt, dass es Missbrauch in der Kirche „nicht in diesem Ausmaß“ gebe wie in den Vereinigten Staaten.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Dabei war sechs Jahre zuvor im Bistum Fulda ein Pfarrer wegen zehnfachen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden, der zuvor nach Kassel versetzt worden war, obwohl der Bistumsspitze frühere Verfehlungen bekannt waren. Die Staatsanwaltschaft hatte deswegen ein Ermittlungsverfahren gegen Erzbischof Johannes Dyba und Weihbischof Johannes Kapp wegen Verletzung der Fürsorgepflicht eingeleitet. Dieses wurde „wegen geringen Verschuldens“ eingestellt. Bischöfe, die Missbrauchstäter versetzten, konnten sich weiterhin vor staatlicher Kontrolle sicher wähnen. Die aus einem „Kirchenvolksbegehren“ im Jahr 1995 hervorgegangene Organisation „Wir sind Kirche“ dringt auf eine unabhängige Ombudsstelle für Personen, die von Klerikern oder Ordensleuten missbraucht wurden.

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