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Missbrauch im Bistum Osnabrück : Bischof Bode will höhere Entschädigungen für Betroffene prüfen

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum Zwischenbericht der Universität Osnabrück zu sexualisierter Gewalt in seinem Bistum Bild: dpa

Ein Zwischenbericht über sexuellen Missbrauch hat dem Bistum Osnabrück schwere Defizite attestiert. Als Konsequenz will Bischof Franz-Josef Bode solche Fälle nun weitgehend externen Sachverständigen übergeben.

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          Als Konsequenz aus dem am Dienstag vorgestellten Zwischenbericht über den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs in den Bistümern Osnabrück und Hamburg hat der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode am Donnerstag weitreichende Veränderungen angekündigt. Diese betreffen zum einen den Umgang mit den Anliegen Betroffener, zum anderen die Organisation der Bistumsverwaltung und die Wahrnehmung des Amtes als Bischof.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Einen Rücktritt schloss der 71 Jahre alte Geistliche aus. Bode begründete seine Entscheidung mit den Worten, dass er durch den Verbleib im Amt garantieren könne, dass der im Jahr 2019 eingeleitete „Schutzprozess“ ohne Unterbrechung durch eine Vakanz weitergeführt werden könne und alle notwendigen Verbesserungen umgehend verwirklicht würden.

          Unbürokratische Hilfe für Betroffene

          Um die schweren Defizite im Verwaltungshandeln zu beheben, die in dem Zwischenbericht benannt worden sind, sollen Bistumsleitung und -verwaltung zahlreiche Kompetenzen an eine überwiegend mit externen Sachverständigen besetzte Monitoring-Gruppe abgeben. Diese soll künftig bei der administrativen Behandlung von mutmaßlichen Fällen sexuellen und auch geistlichen Missbrauchs federführend sein. Zusammenlaufen sollen alle Fäden in der Person eines Missbrauchsbeauftragten, der der Monitoring-Gruppe zugeordnet und der Verwaltung gegenüber weisungsberechtigt sein wird.

          Eingerichtet werden soll des Weiteren eine Ombudsstelle für Betroffene. Deren Aufgabe besteht nach Worten Bodes darin, Anwalt der Betroffenen gegenüber der Kirche und anderen Institutionen zu sein. Angeboten würden juristische, therapeutische, begleitende und auch geistliche Unterstützung. Nicht länger bei der Bistumsleitung, sondern bei der Ombudsstelle liegen solle auch die Verfügungsgewalt über den bestehenden Fonds für Therapiekosten. Dieser solle aufgestockt werden und unbürokratisch auch Mittel zur Unterstützung der Lebenshaltung bereitstellen können.

          Bode will künftig Rechenschaftsbericht vorlegen

          Mit Blick auf die Höhe der sogenannten Anerkennungsleistungen für Betroffene sexueller Gewalt im Raum der katholischen Kirche äußerte Bode, dass er bislang davon ausgegangen sei, dass sich der 2020 gezogene Rahmen bis zu 50.000 Euro an der Höhe von Schadenersatzzahlungen nach staatlichem Recht orientiere. Diesen Sachverhalt hatten die Wissenschaftler der Universität Osnabrück, die im Auftrag des Bistums einen Missbrauchsbericht erstellen, bestritten. Der Bischof sagte daraufhin nun zu, er werde sich auf der Ebene der Bischofskonferenz dafür einsetzen, dass der Rahmen für die Zahlungen überprüft und gegebenenfalls angepasst werde.

          Bode, der auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Mitglied im Präsidium des Reformprojektes „Synodaler Weg“ ist, sprach abschließend über erhebliche Veränderungen in der eigenen Amtsführung. Den bereits gegründeten „Gemeinsamen Rat“, dem Mitglieder aller diözesanen Gremien und Berufsgruppen angehören, wolle er künftig einmal im Jahr einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über sein Tun und Lassen erstatten. Darin enthalten wären auch die Ergebnisse der Quartalsberichte, die ihm von nun an über die Implementierung der Maßnahmen zur Verbesserung des Umgangs mit Betroffenen vorgelegt werden müssten.

          Das Gespräch mit den Mitgliedern des Betroffenenbeirates, das am Dienstagabend unter dem Eindruck der Veröffentlichung des Zwischenberichts stattgefunden hatte, fasste Bode mit den Worten zusammen, diese seien bereit, „den Weg mit uns zu gehen“, ihn als Bischof eingeschlossen. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe wolle man sich überdies darüber verständigen, wie mit dem Andenken verstorbener Kleriker umgegangen werden könne, die sich schwerer und schwerster Verfehlungen in Leitungsämtern schuldig gemacht hätten. Wie in vielen anderen Städten, so tragen auch in Osnabrück Straßen und Plätze die Namen von Bischöfen, deren Ansehen nach dem Bekanntwerden ihres Umgangs mit Missbrauchstätern in Trümmern liegt.

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