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Missbrauch im Erzbistum München : Die Lüge Benedikts

Durch ein neues Missbrauchsgutachten schwer belastet: der damalige Papst, Benedikt XVI., am 17. Oktober 2005 im Petersdom im Vatikan Bild: KNA

Ein Gutachten über sexuellen Missbrauch im Erzbistum München belastet den emeritierten Papst. Fragen wirft vor allem ein Sitzungsprotokoll aus dem Jahr 1980 auf.

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          Um die Jahreswende 1979/80 schlugen die Wellen der Empörung über das Verhalten von Papst und Bischöfen so hoch wie lange nicht. Von sexuellem Missbrauch und dessen Vertuschung war damals allerdings noch keine Rede. Dieses Thema gehörte in der katholischen Kirche zu den bestgehüteten Geheimnissen einer kleinen, verschworenen Klerikergemeinschaft. Nein, kurz vor dem Weihnachtsfest 1979 hatte die Vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre dem in Tübingen lehrenden Dogmatik-Professor Hans Küng mit Billigung von Papst Johannes Paul II. die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Einer der Bischöfe, der im Hintergrund die Fäden gegen Küng gezogen hatte, war ein früherer Fakultätskollege: Joseph Ratzinger, der mittlerweile in den Kardinalsrang erhobene Erzbischof von München und Freising. Ratzinger ging nicht öffentlich gegen den ebenso streitbaren wie medienaffinen Küng in Stellung. Er bediente sich eines weitgespannten Netzwerks aus gleichgesinnten Theologen und seiner Kontakte bis hinein in die Spitzen des Vatikans. Diesen Eindruck mussten auch die ranghohen Kleriker in München gewinnen, denen der Erzbischof am 15. Januar 1980 während einer Sitzung des Ordinariatsrates von den jüngsten Entwicklungen im Fall Küng berichtete. So jedenfalls ist es im Protokoll festgehalten.

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