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Opfer sexueller Gewalt : Bischöfe beschließen neue Grundsätze für Zahlungen nach Missbrauch

Pressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz in Trier (Archivbild) Bild: dpa

Die Bischofskonferenz will die Leistungen für Missbrauchsopfer in wesentlichen Punkten verbessern. Doch bei der Höhe der geplanten „Anerkennungszahlungen“ bleibt sie hinter den Empfehlungen einer unabhängigen Arbeitsgruppe zurück.

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          Die katholischen Bischöfe in Deutschland wollen ihre „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ in wesentlichen Punkten verbessern. Stand seit 2011 eine Summe von 5000 Euro im Raum, so heißt es nun, materielle Leistungen seien „individuell festgelegte Einmalzahlungen, die sich in der Höhe an Schmerzensgelder der staatlichen Gerichte in vergleichbaren Fällen anlehnen. Dabei orientieren sie sich am oberen Bereich der zuerkannten Summen“, hieß es am Donnerstag in Mainz bei der Vorstellung der Leitlinien durch den neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz (DBK), den Limburger Bischof Georg Bätzing, und den Missbrauchsbeauftragten der DBK, den Trierer Bischof Stephan Ackermann.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Ackermann sprach in diesem Zusammenhang von einem Referenzrahmen zwischen 5000 und 50.000 Euro. Damit verwarfen die Bischöfe der Vorschlag einer von ihnen eingesetzten unabhängigen Arbeitsgruppe, die im Herbst eine pauschale „Entschädigungszahlung“ von 300.000 Euro oder eine gestufte Zahlung zwischen 40.000 und 400.000 Euro in den Raum gestellt hatte.

          Festgelegt werden sollen die Modalitäten der kirchlichen Zahlungen künftig nicht mehr von einer kircheninternen Koordinierungsstelle, sondern „durch ein zentrales und unabhängiges Gremium auf der Grundlage einer Plausibilitätsprüfung“. Dieses neue und in seiner Art einmalige Gremium soll auch sicherstellen, dass Leistungen zentral ausgezahlt werden.

          Wie die Mittel in den einzelnen Diözesen aufgebracht werden, muss jedoch von den jeweils zuständigen Gremien in den einzelnen Bistümern entschieden werden. Von der Inanspruchnahme von Kirchensteuern war bei der Vorstellung der neuen Grundsätze nicht die Rede. Vielmehr hieß es, „zur Sicherstellung von Leistungen an Betroffene in der katholischen Kirche in Deutschland“ sei eine „solidarische Komponente“ vorgesehen, durch die finanzschwache Diözesen oder auch Ordensgemeinschaften bei der Finanzierung unterstützt werden sollten.

          Unabhängig von Verjährungsfristen sind nach den jüngsten Festlegungen alle Personen antragsberechtigt, die zum Tatzeitpunkt minderjährig waren, aber auch erwachsene Schutzbefohlenedie in der katholischen Kirche sexuellen Missbrauch erlitten haben. Wer bereits in dem alten System „Anerkennungsleistungen“ erhalten haben sollte, kann seine Ansprüche jetzt aufs Neue geltend machen. 

          Bislang erhielten Missbrauchsopfer in der Regel 5000 Euro, in begründeten Fällen wurden auch Psycho- und Paartherapiekosten übernommen. Dabei soll es bleiben. Bis zum Inkrafttreten des neuen Verfahrens wird jedoch noch einige Zeit vergehen – Bätzing und Ackermann sprachen vom Herbst dieses Jahres.

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