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Missbrauch an Schulen : Weitere Fälle - Ruf nach höheren Strafen

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Georg Ratzinger: Von „brachialen Methoden” habe er nichts gewusst Bild: ddp

Auch in Limburg, Österreich und Holland soll es Missbrauchsfälle an Kindern gegeben haben. Die Deutsche Bischofskonferenz sagte den staatlichen Institutionen inzwischen volle Unterstützung zu, der Vatikan ist für einen Runden Tisch.

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          Angesichts der Missbrauchsfälle vor allem in katholischen Schulen hat Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) eine Erhöhung der Mindeststrafe gefordert. „Jeder sexuelle Missbrauch muss wieder als das Verbrechen gebrandmarkt werden, das es nach früherem Recht war und im Verständnis der Bürger immer geblieben ist“, sagte Merk in der Dienstagausgabe der „Welt“. Die Mindeststrafe müsse von zurzeit sechs Monaten auf ein Jahr angehoben werden. „Sexueller Missbrauch gehört zu den abscheulichsten Dingen, die ein Mensch einer unschuldigen Kinderseele antun kann“, sagte Merk.

          Die Deutsche Bischofskonferenz sagte den staatlichen Behörden inzwischen volle Unterstützung zu. „Die Kirche unterstützt die staatlichen Strafverfolgungsbehörden bei der Verfolgung sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche vorbehaltlos“, hieß es in einer am Dienstag in Bonn veröffentlichten Erklärung des Sprechers der Bischofskonferenz, Matthias Knopp.

          „Unabhängig von dem staatlichen Verfahren gibt es ein eigenes kirchliches Strafverfahren, das vom Kirchenrecht geregelt wird“, erklärte Kopp weiter. Der sexuelle Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche sei nach kirchlichem Recht eine besonders schwere Straftat. Die Akten der kirchlichen Verfahren werden in Rom geführt und werden vertraulich behandelt (Secretum Pontificium). „Die kirchliche Unterstützung der staatlichen Strafverfolgungsbehörden bleibt davon unberührt.“

          Ehemaliges Chormitglied der Limburger Dom-Singknaben berichtet von Übergriffen
des damaligen Dirigenten

          Vatikan für Runden Tisch gegen Kindsmissbrauch

          Kopp stellte klar: „Im Fall des Verdachts sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch einen Geistlichen gibt es ein staatliches und ein kirchliches Strafverfahren. Sie betreffen verschiedene Rechtskreise und sind voneinander völlig getrennt und unabhängig.“ Selbstverständlich sei das kirchliche Verfahren dem staatlichen Verfahren nicht vorgeordnet. Der Ausgang des kirchlichen Verfahrens habe weder Einfluss auf das staatliche Verfahren noch auf die kirchliche Unterstützung der staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Dies solle bei der Überarbeitung der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz klarer dargestellt werden.

          Der Vatikan sprach sich derweil für einen Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch aus. Dies sei ein richtiger Weg, um das Problem des Missbrauchs „umfassend und angemessen“ mit sozialen und in der Erziehung tätigen Gruppen anzugehen, sagte Sprecher Federico Lombardi am Dienstag in Rom. „Natürlich ist die Kirche bereit, daran teilzunehmen und sich zu engagieren“, fügte er an. „Wahrscheinlich kann ihre schmerzliche Erfahrung ein nützlicher Beitrag auch für andere sein.“ Sich dabei allein auf die Kirche zu konzentrieren, führe jedoch dazu, die Sicht zu verfälschen, hieß es in der Stellungnahme Lombardis für Radio Vatikan außerdem. Die Missbrauchsfälle beträfen schließlich nicht allein die Katholische Kirche.

          Fälle auch in Limburg, Österreich und den Niederlanden

          Am Dienstag wurde bekannt, dass auch bei den Limburger Dom-Singknaben sexuellen Missbrauch gegeben haben soll. Nach Informationen der „Nassauischen Neuen Presse“ hat ein ehemaliges Chormitglied einen Bischof angeschrieben und ihm von Übergriffen des damaligen Dirigenten in den 60er und 70er Jahren berichtet.

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