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Tag der Deutschen Einheit : Eine Feier mit Sorgenfalten

  • -Aktualisiert am

Lob für den „Entwicklungsprozess“: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow beim Bürgerempfang in Erfurt Bild: dpa

Bei den Feiern zur Deutschen Einheit in Erfurt haben Regierungschefs aus Ostdeutschland dazu aufgerufen, künftige Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Die Vielfalt im Land müsse genutzt werden.

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          Ein verlängertes Wochenende lang feierten bis zu 120.000 Menschen in Erfurt den Tag der Deutschen Einheit. Bei einem Bürgerfest in der historischen Altstadt präsentierten sich alle 16 Bundesländer. Die Landeshauptstadt Thüringens war in diesem Jahr Ausrichter des Festes, das traditionell in dem Bundesland stattfindet, das den Vorsitz im Bundesrat hat.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          In diesem Jahr ist das Thüringen, dessen Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) die Entwicklung der vergangenen 32 Jahre positiv hervorhob. „Insgesamt hat der Osten nach harten Kriterien gemessen einen unglaublich guten Entwicklungsprozess genommen“, sagte Ramelow am Montag beim Festakt zur deutschen Einheit im Theater in Erfurt. Gleichwohl sei das Ost-West-Verhältnis bis heute keineswegs spannungsfrei, was mit Verletzungen, Enttäuschungen und Missverständnissen auf beiden Seiten zu tun habe, die zu selten in den Blick genommen würden.

          Ramelow forderte dazu auf, die großen Herausforderungen der Zeit nicht gespalten, sondern als ein Deutschland anzugehen und dabei die Vielfalt zu nutzen, die Menschen und Länder der Bundesrepublik böten. Zugleich verurteilte er entschieden Putins Angriffskrieg, der „verbrecherisch, imperialistisch und durch nichts, ich betone: durch rein gar nichts, zu rechtfertigen“ sei, und erklärte, solidarisch an der Seite der Ukraine zu stehen.

          Die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen-Anhalt warnten anlässlich der Einheitsfeier vor einem Verlust der Erfolge des Aufbaus Ost durch den russischen Krieg in der Ukraine. Vielen Ostdeutschen stünden Deindustrialisierung und Massenarbeitslosigkeit der Neunzigerjahre noch vor Augen, sagte Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) der Zeitung „Rheinische Post“. Die derzeitige Situation werde mit großer Sorge wahrgenommen, viele hätten Angst, dass ihnen alles wegbreche, was sie in drei Jahrzehnten mühsam aufgebaut hätten.

          Solidarität und Gemeinsinn seien deshalb heute wichtiger denn je, sagte Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU). Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), forderte die Ostdeutschen auf, sich stärker in gesamtdeutsche Debatten einzumischen. „Wir dürfen uns im Osten nicht auf uns selbst zurückziehen und unsere eigenen kleine DDR wiederaufbauen“, sagte Schneider in Erfurt. Die Vielfalt ostdeutscher Erfahrungen sei wertvoll für ganz Deutschland.

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