https://www.faz.net/-gpf-94vxi

Militärhistorisches Museum : Kleinkrieg um Kondome auf Raketen

Das allerdings schildern gleich mehrere Beteiligte anders. So soll Wagner persönlich immer wieder in die Ausstellung eingegriffen und Exponate verbannt oder sogar verboten haben, darunter vor allem solche, die einen direkten oder indirekten sexuellen Bezug haben, zum Beispiel vergleichsweise harmlose wie ein „Pimmelmeter“ aus dem Deutschen Hygienemuseum, aber auch in jeder Hinsicht gewichtige wie zwei riesige Kanonenkugeln der Bildhauerin Louise Bourgeois aus dem New Yorker Battery-Park, die sich aus der Nähe betrachtet als überdimensionierte Brüste herausstellen. Auch ein Auszug des AfD-Parteiprogramms zum Thema Gender darf angeblich nicht gezeigt werden, und alles mit der Begründung, das würden Soldaten nicht verstehen.

Die Gegenoffensive scheint abgewehrt

Wagner entgegnet, alle inhaltlichen Entscheidungen seien vor seiner Zeit gefallen. „Ich bin kein Museologe. Ich mische mich in die Arbeit der Kuratoren nicht ein.“ Alle Exponate zu „Gewalt und Geschlecht“ seien ohnehin längst festgelegt, die Texte dazu geschrieben gewesen. Lediglich zwei Objekte, die ihm „hinsichtlich der Pietät gemeldet“ worden seien, wurden nach Rücksprache mit Vorgesetzten aussortiert. Generell sei so etwas aber nicht nötig. „Ich muss meinen Kuratoren vertrauen und maße mir nicht an, da hineinzupfuschen.“ Warum hat er dann Chefkurator Pieken versetzt? „Er ist nicht versetzt, sondern nach Potsdam abgeordnet.“ Zu Personal-Angelegenheiten könne er jedoch keine Auskunft geben. Nur so viel: „Es gibt keinerlei Bestrebungen, ihn hier irgendwie loszuwerden.“

Hinter den Kulissen ist es freilich ein offenes Geheimnis, dass Wagner und Pieken nicht miteinander können. Der Konflikt, so ist zu hören, habe das gesamte Museum im Griff, inklusive Lagerbildung unter Mitarbeitern. Gerüchte und Misstrauen beherrschten den Alltag, es gebe interne Ermittlungen, Mitarbeiter-Computer sollen konfisziert, Büros versiegelt und alte Vorgänge überprüft worden sein, um „Munition“ zu finden. Armin Wagner entgegnet, er könne keine Reibereien am Haus erkennen. „Das sehe ich wirklich überhaupt nicht.“ Alle arbeiteten daran, „Gewalt und Geschlecht“ nun am 26. April zu eröffnen. Nach mehrfacher Nachfrage antwortet er, dass Gerüchte, er habe den Auftrag, aus dem Haus wieder ein herkömmliches Militärmuseum zu machen, falsch seien.

Die Gegenoffensive scheint damit erstmal abgewehrt. Die Ausstellung, das versichert das Zentrum für Militärgeschichte als vorgesetzte Dienststelle, sei „außerordentlich gelungen“ und werde „wie ursprünglich geplant in vollem Umfang gezeigt“, auch die Ausrichtung des Museums werde sich nicht ändern. Potsdam hat zusätzliche Mitarbeiter nach Dresden entsandt, die dafür sorgen sollen, dass jetzt nichts mehr schiefgeht. Manfred Görtemaker sagt, der Beirat werde sich künftig regelmäßig über die Pläne des Museums informieren. Zudem stehe für ihn fest, dass die organisatorische und inhaltliche Verantwortung künftig streng getrennt werden, der Fall darüber hinaus aber auch personelle Konsequenzen haben müsse. „Was hier passiert ist, hat den Ruf des Hauses erheblich beschädigt und darf sich nicht wiederholen“, sagt er. Kurator Pieken müsse zurück nach Dresden. „Er ist als kreativer Kopf des Hauses unverzichtbar“, sagt Görtemaker. „Dieses Museum ist einzigartig in der Welt, das müssen wir erhalten.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Auf der Suche nach Yves Etienne Rausch: Ein Polizeihubschrauber über dem Waldgebiet nördlich von Oppenau

Flüchtiger bei Oppenau : „Der Wald ist sein Wohnzimmer“

Noch immer wird er gesucht: Dass sich vier Polizisten von einem „Waldläufer“ überwältigen ließen, sorgt für Belustigung. Polizei und Staatsanwaltschaft haben daher am Dienstag noch einmal detailliert geschildert, wie es dazu kam.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.