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Militärgeschichte : Das neue Antikriegsmuseum der Bundeswehr

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Bombenteppich als Matrize: Der von Daniel Libeskind entworfene Bau
          6 Min.

          „Diese Ausstellung wird Diskussionen auslösen“, sagt Gorch Pieken selbstbewusst. Dann hätte er sein Ziel erreicht. Pieken ist seit fünf Jahren wissenschaftlicher Leiter des Militärhistorischen Museums Dresden, das am 14. Oktober neu eröffnen wird, und er hat sich vorgenommen, kein „Vitrinen-Depot“, sondern ein „Forum“ aufzubauen. Derzeit allerdings könnte das riesige Areal im Norden der Stadt auch ein Synonym für die aktuelle Anmutung der Truppe sein: Es lärmt und staubt, weil in nahezu jedem Winkel gebohrt, gesägt, gehämmert und geschliffen wird.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Von außen ist die Erneuerung bereits unverkennbar. Aus der linken Seite des spätklassizistischen Gebäudes ragt, einem sinkenden Schiffsbug ähnlich, ein dreißig Meter hoher Stahl-Glas-Keil hervor, der aus der Ferne die eigentliche Fassade wie eine Miniatur aussehen lässt. Es ist dieser von Stararchitekt Daniel Libeskind erdachte Keil, der am Anfang der Planungen die Dresdner entzweite und der nun – auch dank lobender Erwähnung im Ausland, etwa im Magazin „New Yorker“ – viele Einwohner mit Vorfreude erfüllt. Tatsächlich bietet der architektonische Bruch aber nur einen Vorgeschmack auf das, was hinter der Fassade passieren soll. Denn mit einer Militariaschau herkömmlicher Art hat das Museum nichts mehr gemein.

          „Kulturgeschichte der Gewalt“ darstellen

          Nahe der Eingangshalle, wo die Rundgänge starten werden und wo früher Haubitzen, Panzer und Kanonen auf Podesten standen, werden nun die Wörter „Liebe“ und „Hass“ auf Wände projiziert. „Ein gewagter Einstieg“, findet Pieken, und man sieht ihm die Vorfreude förmlich an. Er hat die Ausstellung Raum für Raum und Exemplar für Exemplar im Kopf und kann, obwohl noch längst nicht alles an seinem Platz ist, das leere Museum mit Worten füllen. „Dort kommen die Kriegsspielzeugarmeen hin“, sagt er und zeigt auf ein Geländer an einer der Brücken, die vom Alt- in den Neubau führen. An der Wand gegenüber sollen martialische Gondeln aus Kinderkarussells – Düsenjäger, Jeeps, Raketenwerfer – hängen. „Und da hinten“, sagt Pieken und zeigt hoch zur Decke, „da fallen Bomben.“ Natürlich nicht wirklich, aber es werden so viele an unsichtbaren Seilen hängende Geschosse sein, dass der Begriff Bombenhagel für Besucher kein rein theoretischer mehr bleiben wird.

          Der künftige Anspruch dieses Museums, so viel ist schon jetzt klar, wird weit über den einer die Technikbegeisterten interessierenden Leistungsschau der Bundeswehr hinausgehen. „Wir wollen die Kulturgeschichte der Gewalt darstellen“, erläutert Pieken. Warum ist der Mensch gewalttätig, mit welchen Folgen, und wie groß ist das Gewaltpotential dieser Gesellschaft? Der Standort Dresden ist dafür wohl geeignet wie kaum ein anderer: Die Stadt hat eine lange militärisch-technische Tradition und ist im Zweiten Weltkrieg selbst Opfer dieser entfesselten Potentiale geworden. Das nördlich in der Albertstadt gelegene Kasernengelände blieb vom Feuersturm beim Bombardement verschont und ist heute eines der größten zusammenhängend erhalten gebliebenen in Europa.

          Im Osten des Geländes residiert die Offiziersschule des Heeres, im Westen entsteht das Museum mit dem ehemaligen Arsenal als Hauptgebäude. Es wurde in den 1870er Jahren von einem Semper-Schüler als Waffendepot der Königlich-Sächsischen Armee errichtet – militärisch-wuchtige Präsentationsarchitektur mit einem raumgreifenden, bogenartigen Eingangsportal. „Ein Hochaltar des Militärs mit einem Triumphbogen in der Mitte“ nennt Pieken das.

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