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Integration von Flüchtlingen : So uneinig sind sich die Deutschen beim Thema Migration

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Ein aus Afghanistan geflüchtetes Ehepaar sitzt im Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten in Berlin. Bild: dpa

Jeder Zweite ist mit der Flüchtlingspolitik der Regierung unzufrieden. Trotzdem steigt das Ansehen der großen Koalition. Eine große Mehrheit der Deutschen fordert zudem die Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz.

          Die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung wird von der Mehrheit der Bevölkerung kritisch beurteilt. Im ARD-DeutschlandTrend äußerten sich nur 43 Prozent mit der Verteilung und Unterbringung der Migranten zufrieden, wie der Westdeutsche Rundfunk am Donnerstag mitteilte. 50 Prozent gaben ein gegensätzliches Urteil ab. Dennoch erholte sich das Ansehen der Regierung der Umfrage zufolge leicht. Zudem spricht sich eine Mehrheit der Befragten für eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz aus.

          Nur 27 Prozent halten die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft zudem für „sehr gut oder eher gut gelungen“, 69 Prozent äußerten das Gegenteil. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. 69 Prozent sehen Defizite, nur 23 Prozent äußern sich zufrieden. Eine deutliche Mehrheit kritisiert zudem die Abschiebepraxis bei abgelehnten Asylbewerbern, die 83 Prozent „sehr schlecht oder schlecht gelungen“ bewerten. Nur elf Prozent stellen den Behörden hier ein gutes Zeugnis aus. Nur 27 Prozent sind zudem der Meinung, dass ausreichend Maßnahmen zur Vorbeugung von Gewalt und Kriminalität ergriffen werden, 69 Prozent sind damit unzufrieden.

          Zustimmung für Regierung wächst

          Insgesamt sind laut Umfrage 49 Prozent der Ansicht, dass die Bundesregierung beim Thema Migration ihre Sorgen ernst nimmt, 51 Prozent sind nicht dieser Ansicht. Allerdings ist der Anteil derer, das nicht meinen, in Ostdeutschland mit 66 Prozent größer als im Westen mit 46 Prozent.

          Das Ansehen der Bundesregierung hat sich dem ARD-„Deutschlandtrend“ zufolge leicht erholt: In der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage äußerten sich 31 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden, was einem Plus von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum August entsprach. Die Unzufriedenheit sank um ebenfalls sechs Punkte auf 68 Prozent.

          In der Sonntagsfrage gab es nur wenig Veränderungen: Die CDU/CSU kam abermals auf 29 Prozent, die SPD erreichte unverändert 18 Prozent. Die AfD verschlechterte sich um einen Punkt auf 16 Prozent, die FDP verbesserte sich um einen Punkt auf acht Prozent. Die Linke legte ebenfalls einen Punkte zu und erreichte zehn Prozent. Die Grünen verschlechterten sich um einen Punkt auf 14 Prozent.

          Die Liste der beliebten Politiker führt Außenminister Heiko Maas (SPD) mit 47 Prozent (minus einen Punkt zum Vormonat) an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam unverändert auf 46 Prozent Zustimmung. Mit der Arbeit von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sind 43 Prozent zufrieden (minus drei), mit der Arbeit von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) 43 Prozent (minus zwei). Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kam auf 40 Prozent (plus eins). Den größten Zuwachs im Vergleich zum Vormonat erfuhr Innenminister Horst Seehofer, der um sieben Punkte auf 34 Prozent Zustimmung kommt. Auch Gesundheitsminister erfährt mit 33 Prozent ein Plus von fünf Punkten.

          Mehrheit für Überwachung der AfD durch Verfassungsschutz

          Zudem sprach sich eine Mehrheit der Befragten für eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz aus. 65 Prozent halten eine solche Maßnahme für angemessen, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten ARD-„Deutschlandtrend“ hervorgeht. Dies ist eine Steigerung um drei Prozentpunkte im Vergleich zum Juli. 32 Prozent der Befragten sagen in der aktuellen Umfrage, sie hielten eine Beobachtung der Partei nicht für angemessen.

          Die AfD insgesamt wird bisher nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Anfang der Woche kündigten allerdings die Verfassungsschützer in Bremen und Niedersachsen eine Beobachtung der dortigen Nachwuchsorganisationen der Partei, der Jungen Alternative, an. Damit werden erstmals Teilorganisationen der AfD beobachtet. Der Thüringer Verfassungsschutz erklärte am Donnerstag, der AfD-Landesverband werde als „Prüffall“ geführt. Dies ist eine Vorstufe zur offiziellen Beobachtung.

          Für die Erhebung wurden den Angaben zufolge 1002 Personen am 03. und 04. September befragt.

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