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Michael Theurer : Der flexible Mann der Freidemokraten

Auf den Punkt: Michael Theurer am Freitag auf dem Landesparteitag der FPD in Fellbach. Bild: dpa

In einer Jamaika-Koalition wäre Michael Theurer gerne Wirtschaftsminister geworden. Dass es anders kam, ist für den FDP-Landespolitiker aber nicht schlimm. Die Spitze seiner Partei beobachtet seine Flexibilität schon länger misstrauisch.

          Wenn Michael Theurer in einer Jamaika-Koalition Wirtschaftsminister geworden wäre, dann hätte er diesen Erfolg auf dem Parteitag der FDP in Fellbach gewiss mit triumphaler Rhetorik ausgekostet und verkündet. Noch im vergangenen Frühsommer war er fest überzeugt, dass seine Partei nach einem erfolgreichen Wiedereinzug in den Bundestag auch regieren würde. „Aber das Amt muss zum Manne kommen, da kann ich nur den früheren Ministerpräsidenten Teufel zitieren“, sagt er. Theurer ist mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer freundschaftlich verbunden, beide wollten sogar in Interviews für das Jamaika-Bündnis werben. Theurer ist zudem koalitionspolitisch und inhaltlich schon immer wesentlich flexibler als viele seiner Parteifreunde gewesen, vor allem als der Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Nun kam es in Berlin anders. Das lag zuvorderst am FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner. Und so widmete sich Theurer in seiner Parteitagsrede an Freitag, einen Tag vor der Dreikönigskundgebung in der Stuttgarter Staatsoper, den tatsächlichen inhaltlichen Gründen für das Scheitern der Berliner Sondierungsgespräche. Ein für die FDP akzeptables Arbeitsteilzeitgesetz sowie eine Entbürokratisierung des Mindestlohn-Gesetzes seien in der Koalition mit CDU und Grünen nicht zu realisieren gewesen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei zu einem Modernisierungskurs nicht bereit gewesen, und sie habe fälschlicherweise geglaubt, dass die Freien Demokraten am Ende einfach Ja zum Regieren gesagt hätten. Für die Kritik an der Kanzlerin bekam Theurer den meisten Applaus.

          Aus altliberalem Holz geschnitzt

          Kritik am Kurs Lindners darf man vom FDP-Landesvorsitzenden nicht erwarten, nicht mal in einem Nebensatz. Der 50 Jahre alte Politiker, der beim „Schwarzwälder Boten“ eine Redakteursausbildung gemacht und in Tübingen Volkswirtschaft studiert hat, gehört nicht zum engen Umfeld Lindners: Am Samstag vor der Aufkündigung der Sondierungsverhandlugen nahm Theurer an den Gesprächen in Berlin nicht mehr teil. Bei der Formierung der neuen  FDP-Bundestagsfraktion setzte sich Lindner über seinen sowie den Wunsch der Südwest-FDP hinweg, den früheren Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Link, zum parlamentarischen Geschäftsführer zu machen. Theurers Flexibilität wird an der Spitze der Partei sogar eher misstrauisch beobachtet.

          Theurer, der erst vor zwei Jahren eine Ärztin geheiratet hat, ist der Sohn eines Apothekers und einer Sozialpädagogin, er war viele Jahre erfolgreich Oberbürgermeister der Schwarzwaldstadt Horb, wo er auch aufgewachsen ist. Er war Landtags- und Europaabgeordneter, seit 2013 führt er den zweitgrößten FDP-Landesverband. Der FDP-Politiker ist aus altliberalem Holz des württembergischen Bürgertums geschnitzt ist, er wagt sich beim Skifahren (wie vor einigen Tagen am Arlberg) gern in den Tiefschnee vor, in der Politik reizt ihn das unerforschte Gelände. Deshalb dürften Dreierkoalitionen für ihn grundsätzlich spannend bleiben. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion ist er für die Themen Wirtschaft, Energie und Gesundheit zuständig. Damit wird er neben Alexander Graf Lambsdorff, Nicola Beer und Katja Suding zu den führenden Köpfen der neuen FDP gehören. „Ich habe meine Partei noch nie so geschlossen erlebt“, sagt Theurer. Als Landesvorsitzender ist er bis 2019 gewählt.

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