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Michael Groschek in NRW : Der Mann, der die SPD auf Groko-Kurs bringen soll

Michael Groschek ist SPD-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen. Auf ihn kommt es an. Bild: Matthias Lüdecke

Der NRW-Landesverband der SPD stellt auf dem entscheidenden Parteitag am Sonntag ein Viertel der Delegierten. Er steht einer neuen Groko kritisch gegenüber. Gelingt es dem Vorsitzenden Groschek, die Basis für ein Mitregieren zu begeistern?

          Um markige Worte und griffige Einschätzungen ist Michael Groschek, der Vorsitzende des mit Abstand größten SPD-Landesverbands, selten verlegen. Das Ergebnis der Sondierungsgespräche mit der Union pries er am Freitag mit einem originellen Zahlenzaubertrick: Obwohl die SPD bei der Bundestagswahl nur zwanzig Prozent der Stimmen errungen habe, habe sie achtzig Prozent ihrer Ziele erreichen können.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die kommenden Tage will Groschek nutzen, um die Landespartei von der „Qualität der Sondierungsergebnisse“ zu überzeugen. Leicht wird das nicht. Denn nirgends war und ist die Aversion gegen eine Neuauflage der großen Koalition so ausgeprägt wie an der Basis in NRW und hier vor allem im Ruhrgebiet. Noch Anfang Dezember fasste der dem konservativen Flügel der SPD zugerechnete Groschek die Stimmung auf drastische Weise zusammen: Im Grunde sei die Groko eine Vorstellung, die den Genossen Magen-Darm-Probleme bereite.

          Groschek, der im Dezember 1956 in Oberhausen zur Welt kam und in einer Bergarbeitersiedlung aufwuchs, führt den Landesverband erst seit etwas mehr als einem halben Jahr. Er ist für die Trümmer zuständig, die ihm Hannelore Kraft hinterlassen hat: Mitte Mai holten die Sozialdemokraten in dem Bundesland nur noch 31,2 Prozent der Stimmen – so wenig wie nie zuvor. Groschek versprach bei seiner Wahl eine schonungslose „Generalinventur“, einen „Neuanfang, der sich gewaschen hat“. Damit werde der größte Landesverband auch den „Marschbefehl für die Bundespartei“ geben, sagte der frühere Marine-Soldat. Nach dem Debakel der SPD bei der Bundestagswahl schlug sich Groschek umgehend auf die Seite von Martin Schulz: keine Neuauflage der Groko, sondern Erneuerung in der Opposition.

          Groschek war von 2001 bis 2012 der erste Generalsekretär der NRW-SPD. Kaum einer weiß besser, wie der Landesverband tickt, der auf Bundesparteitagen mehr als ein Viertel der Delegiertenstimmen stellt. Äußerst behutsam veränderte Groschek deshalb seinen Kurs, als die Jamaika-Sondierungen scheiterten. Zunächst brachte er einen „Stabilitätspakt“ mit einer Minderheitsregierung der Union ins Gespräch, dann schrieb er einen Brief an Schulz, der sich wie ein selbstbewusster Themenkatalog für Groko-Verhandlungen las. Und Anfang Dezember war es wiederum Groschek, der in Berlin durchsetzte, dass nach Sondierungsgesprächen mit CDU und CSU erst ein weiterer Parteitag über den Gang in Koalitionsverhandlungen entscheidet. Er wird am kommenden Sonntag in Bonn stattfinden.

          Bis dahin will Groschek, der Mitglied der SPD-Verhandlungsgruppe war, seine Genossen davon überzeugen, dass das Erneuern und das (Mit-)Regieren doch zusammen geht: Gerade die nordrhein-westfälischen Kommunen könnten von den Sondierungsergebnissen profitieren. Städte mit vielen Langzeitarbeitslosen würden vom verabredeten Aufbau eines sozialen Arbeitsmarkts entlastet. Und auch von den Milliardeninvestitionen in Bildung, sozialen Wohnungsbau und Pflege werde NRW wesentlich profitieren.

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