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Meute vor Flüchtlingsheim : „Zutiefst beschämend“

  • Aktualisiert am

Als rund 30 Flüchtlinge ein Asylbewerberheim in Sachsen beziehen wollen, wird ihr Bus von Demonstranten blockiert. Dabei rufen sie immer wieder „Wir sind das Volk“. Sachsen Innenminister hat auf die Geschehnisse in Rechenberg reagiert.

          Aufgebrachte Demonstranten haben am Donnerstagabend die Ankunft von Flüchtlingen vor einer Asylunterkunft in Sachsen blockiert. Als rund 30 Asylsuchende eine Unterkunft in Rechenberg-Bienenmühle an der tschechischen Grenze beziehen sollten, stellten sich dem Bus mehr als 100 Demonstranten in den Weg. Zudem hatte die Gruppe mit drei Autos die Straße zum Flüchtlingsheim versperrt.

          Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) hat die Blockade von Asylgegnern vor einer Flüchtlingsunterkunft im mittelsächsischen Rechenberg-Bienenmühle verurteilt. Es sei „zutiefst beschämend“, wie dort mit Menschen umgegangen worden sei, erklärte er am Freitag. „Anstatt wenigstens den Versuch zu unternehmen, sich in die Situation der Flüchtlinge zu versetzen, blockieren einige Leute mit plumpen Parolen den Weg von schutzsuchenden Männern, Frauen und Kindern.“

          Als beschämend bezeichnete auch der Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Henning Homann, den Vorfall. „Das Einschüchtern von Kindern, Frauen und Männern ist absolut inakzeptabel“, sagte der SPD-Politiker aus Döbeln. Zugleich verwies Homann darauf, dass offenbar Neonazis ein Video der Blockade auf Facebook veröffentlicht haben. „Wer auf solch eine Tat auch noch stolz ist, dem fehlt es an Moral und Anstand“, so Homann. Das Video zeige, wie Neonazis versuchten, Ängste von Bürgern für ihre Hetze zu instrumentalisieren.

          In einem im Internet kursierenden Video ist zu erkennen, dass die Demonstranten Flüchtlinge am Aussteigen aus dem Bus hindern wollen. Sie skandieren dabei „Wir sind das Volk.“ Auch die Polizeidirektion Chemnitz spricht von einer „angespannten Situation“ vor Ort. Polizisten waren bereits vor dem Eintreffen der Flüchtlinge an der Asylunterkunft versammelt. Als sich die Menschenansammlung gegen 19.20 Uhr bildete, riefen die Beamten vor Ort die Bundespolizei und Kollegen der Polizeidirektion Zwickau „vorsichtshalber als Verstärkung“, erklärte ein Polizeisprecher gegenüber FAZ.NET.

          Mithilfe von 30 Polizeibeamten konnte die Demonstration nach zwei Stunden aufgelöst werden. Dabei soll es zu Beschimpfungen, nicht aber zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen sein. Die Polizei ermittelt nun gegen 13 Demonstranten unter anderem wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Auch gegen die Fahrzeughalter wurde wegen Eingriffs in den Straßenverkehr Anzeige erstattet. Die Teilnehmer sollen zum Großteil aus der Region kommen. Auch Kinder waren offenbar vor Ort. Frühere Demonstrationen an der neuen Flüchtlingsunterkunft sind der Polizei nicht bekannt.

          Nach der bundesweiten Berichterstattung verbanden viele Internetnutzer die Kreisstadt Döbeln am Freitag mit den Geschehnissen, berichtet die Leipziger Volkszeitung. Das Ergebnis: Die Telefone im Rathaus standen den Freitag über nicht mehr still. Auch über das Emailpostfach des Döbener Oberbürgermeisters Hans-Joachim Egerer machten viele Bürger ihrem Ärger über das Verhalten in Rechenberg-Bienenmühle Luft.

          „Ich bin stocksauer. Zum einen über das, was da in Rechenberg-Bienenmühle passiert ist. Zum anderen ärgert mich, wie durch eine Facebookseite beziehungsweise eine kleine Gruppe Neonazis unsere Stadt mit solchen Vorfällen in Verbindung gebracht wird“, sagte Dezernent Thomas Hanns gegenüber der Leipziger Volkzeitung. „Döbeln wehrt sich“ stehe nicht für die Döbelner Bürger, so Hanns.

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