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Messerattacke in Chemnitz : Starb Daniel H. im Streit um Kokain?

  • Aktualisiert am

Blumen liegen am Tatort des für Daniel H. tödlichen Streits Bild: Jana Mai

Der gewaltsame Tod von Daniel H. löste im Sommer ausländerfeindliche Demonstrationen in Chemnitz aus. Nun scheinen die Behörden die Gründe für die tödliche Auseinandersetzung gefunden zu haben.

          Mehr als fünf Monate nach dem gewaltsamen Tod des 35 Jahre alten Daniel H. am Rande des Chemnitzer Stadtfestes werden neue Details über den mutmaßlichen Tatablauf aus der Anklageschrift bekannt. Nach Informationen von NDR, WDR, MDR und SZ könnte es bei dem tödlichen Streit um Kokain gegangen sein. Der Hauptverdächtige Farhad A. soll ebenso wie Daniel H. unter Drogeneinfluss gestanden haben.

          Die Anklage stützt sich offenbar auf einen Belastungszeugen, der mittlerweile bedroht werden soll. Der Aussage zufolge habe Farhad A. in der Tatnacht gegen 3 Uhr nachts das spätere Opfer Daniel H. angesprochen und nach einer „Karte“ gefragt haben. Dabei soll er sich mit einem Finger an die Nase gefasst und hörbar eingeatmet haben, also Kokainschnupfen vorgespielt haben. Auch bei Daniel H. soll die Rechtsmedizin Kokainkonsum in kleinen Mengen festgestellt haben. Ob sich Täter und Opfer kannten, hat die Polizei offenbar nicht klären können.

          Farhad A. habe Daniel H. umarmt und etwas mit ihm besprochen. Nach Informationen von NDR, WDR, MDR und SZ sei es dabei zu einem Streit gekommen, in dessen Folge Farhad A. zu Boden ging. Der syrische Flüchtling Alaa S. sei Farhad A. daraufhin zur Hilfe geeilt und gemeinsam hätten sie dann Daniel H. mit jeweils einem Messer attackiert.

          Stach auch der zweite Verdächtige auf Daniel H. ein?

          Ob der nun angeklagte Alaa S. aber tatsächlich ein Messer bei sich hatte, erscheint strittig. Die Polizei konnte nur ein Messer finden, auf dem sich die DNA des späterem Opfers befand. Von Alaa S. konnten an der Stichwaffe nach Informationen von NDR, WDR, MDR und SZ hingegen keine Spuren festgestellt werden können. Auch die Obduktion konnte zu der Zahl der eingesetzten Messer kein eindeutiges Ergebnis liefern.

          Eine Zeuge, der die Tat aus etwa 50 Metern Entfernung beobachtet haben soll, bestätigt zwar, dass S. an dem Angriff teilgenommen habe, entgegen der Behauptung seiner Dolmetscher bestreitet er allerdings in seiner Aussage von „Stechen“ gesprochen zu haben. Daraufhin soll der Zeuge unter Druck gesetzt worden sein. Bekannte von Alaa S. hätten ihn an seiner Arbeitsstelle aufgesucht und ihm ausgerichtet, dass er im Sarg in seine Heimat zurück geschickt werde und ihn mit einem Stuhl geschlagen.

          Der tödliche Vorfall am 26. August 2018 hatte in Chemnitz eine Reihe ausländerfeindlicher Demonstrationen ausgelöst, die bundesweit für Aufsehen sorgten. Farhad A. ist seit der Tat auf der Flucht. Gegen S. liegt dem Landgericht Chemnitz derzeit eine Anklage vor, über deren Zulassung nach Angaben einer Sprecherin in den kommenden Tagen entschieden wird.

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