https://www.faz.net/-gpf-9ocq7

Kramp-Karrenbauer trifft Merz : Düsseldorfer Duett

  • -Aktualisiert am

CDU-Politiker Friedrich Merz, die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrrenbauer und Michael Bröcker, Chefredakteur der „Rheinischen Post“ Bild: dpa

Die in Bedrängnis geratene CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und der ihr im Dezember knapp unterlegene Friedrich Merz präsentieren sich bei einer Live-Talkshow als harmonisches Team der ehemaligen Rivalen.

          Aufwühlende Zeiten sind das für Annegret Kramp-Karrenbauer. Als die auch AKK genannte CDU-Bundesvorsitzende am Montagabend beim Ständehaustreff, einer Live-Talkshow der „Rheinischen Post“, in Düsseldorf auf die Bühne kommt, hat sie einen langen Tag mit Gremiensitzungen in Berlin mit vielen wichtigen Klärungen hinter sich.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Präsidium und Vorstand der CDU schlossen jede Form der Zusammenarbeit mit der AfD in großer Deutlichkeit aus. In dem Beschluss wird die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) in einen Zusammenhang mit dem Verhalten der AfD gestellt. „Der Tod Lübckes war ein riesen Schock für uns alle und eine Zäsur für Deutschland“, sagt Kramp-Karrenbauer nun am Abend in Düsseldorf. Sie bekräftigt: Der mutmaßlich rechtsextreme Hintergrund der Tat „ist nicht von selbst erwachsen, sondern es gab dafür geistige Vorbereitung“. Mit dem Schicksal von Walter Lübcke vor Augen könne niemand mit der AfD zusammenarbeiten.

          Auch eine wichtige Personalie galt es am Montagmorgen im Konrad-Adenauer-Haus festzuzurren: die Berufung eines neuen CDU-Bundesgeschäftsführers. Anders als vermutet, bekam nicht ein enger AKK-Vertrauter den Posten, sondern Stefan Hennewig, der als besonders versiert beim Einsatz sozialer Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram für politische Belange gilt. Auf diesem Gebiet hatte die CDU ein katastrophales Bild abgegeben.

          Die ungelenke Art, wie die Partei mit dem CDU-Bashing des Youtuber Rezo umging, war rasch auch zum persönlichen Problem für Kramp-Karrenbauer geworden. „Natürlich würden wir heute ganz anders reagieren, viel schneller vor allen Dingen“, sagt die CDU-Vorsitzende in Düsseldorf. Im Bundesvorstand habe man darüber gesprochen, dass man sehr hart daran arbeiten werde, dass Ähnliches nicht mehr passiere. „Die CDU will auch im digitalen Zeitalter Volkspartei der Mitte bleiben. Das heißt, sie muss mit allen Bürgern im Gespräch sein, und wenn für immer mehr Menschen das Kommunikationsmedium digitale Kanäle sind, dann kann die CDU nicht sagen: Es war aber früher analog so schön, darum kümmern wir uns nicht.“ Im Plauderton verrät AKK, ihr jüngster Sohn habe ihr in der Causa Rezo „alle meine Fehler unter die Nase gerieben“.

          Ratschläge von Laschet

          Der vielleicht gröbste Schnitzer der CDU-Vorsitzenden war, dass sie zuletzt sogar noch versucht hatte, eine Debatte über "Meinungsmache im Internet" anzuzetteln. Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hielt das das jedenfalls für so sehr daneben, dass er es nicht bei Hinweisen im internen Kreis der Familie CDU beließ. Öffentlich stellte er klar: "Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Dafür gibt es keine Grenzen." Manche deuteten das als Angriff auf AKK, zumal sich Laschet seither in Interviews immer wieder mit Ratschlägen zu Wort meldet. Erst kürzlich warnte Laschet seine Parteifreundin davor, angesichts schwacher Wahlergebnisse und schlechter Umfragewerte den Mitte-Kurs der Kanzlerin aufzugeben. „Das Erfolgsrezept der CDU in der Kanzlerschaft von Angela Merkel war nicht zuletzt, Probleme pragmatisch zu lösen und über die CDU-Stammwähler hinaus viele Bürger anzusprechen. Daran sollten wir festhalten.“

          Laschet, von dem es immer wieder heißt, er wolle eigentlich selbst Kanzlerkandidat werden, ist am Montagabend nicht mit dabei — er ist in Berlin geblieben, um den Auftritt seiner Parteifreundin in Düsseldorf überhaupt möglich zu machen. Denn eigentlich müsste sie beim Autogipfel im Kanzleramt sein. Dort vertritt sie nun Laschet. Dafür ist ein anderer Parteifreund ins Ständehaus gekommen: Friedrich Merz, der zum Abschluss der Veranstaltung auf die Bühne gebeten wird — doch dazu später.

          Seit sich Annegret Kramp-Karrenbauer im Dezember im Ringen um den Parteivorsitz gegen Merz durchsetzte, versuchte sich die christlich-sozial geprägte Saarländerin immer wieder mit dezidiert konservativen Signalen von ihrer Vorgängerin Angela Merkel abzusetzen. Ausgezahlt hat sich das nicht für die CDU. Im Gegenteil: Bei der Europawahl fiel die Union auf ein historisches Tief, und mittlerweile haben die Grünen die Union in Umfragen ein- oder gar überholt. Das sei die Quittung dafür, dass die Union beim Thema Klimaschutz, das den Menschen auf den Nägel brenne, „keine ambitionierten Antworten gibt“, analysiert Kramp-Karrenbauer in Düsseldorf.

          Weitere Themen

          Trump: „Wofür haben Sie den Preis bekommen?“ Video-Seite öffnen

          Friedensnobelpreisträgerin : Trump: „Wofür haben Sie den Preis bekommen?“

          Auf diesen Termin im Weißen Haus hat sich der amerikanische Präsidenten Donald Trump offenbar nicht besonders gut vorbereitet. Als die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad dem Präsidenten berichtet, dass ihre Mutter und ihre sechs Brüder umgebracht wurden, fragt Trump erstaunt: Wo sind sie jetzt?

          Topmeldungen

          Transfer-Offensive : Borussia Dortmund hat ein großes Problem

          Der BVB beeindruckt mit seinen starken Neuzugängen. Doch die Offensive auf dem Transfermarkt hat auch ihre Schattenseiten. Der Kader ist nun viel zu üppig besetzt. Auf der Streichliste stehen prominente Namen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.